PARSIFAL
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Staatsoper
2.4.2026

Musikalische Leitung - Axel Kober



Amfortas - Gerald Finley
Gurnemanz - Franz-Josef Selig
Parsifal - Klaus Florian Vogt
Klingsor - Werner van Mechelen
Kundry - Jennifer Holloway
Der damalige Parsifal (Schauspieler) - Nikolay Sidorenko
Titurel - Matheus Franca
1. Gralsritter - Carlos Osuna
2. Gralsritter - Alex Ilvakhin
1. Knappe - Florentina Serles
2. Knappe - Daria Sushkova
3. Knappe - Andrew Turner
4. Knappe - Adrian Autard
1. Blumenmädchen/1. Gruppe - Ileana Tonca
2. Blumenmädchen/1. Gruppe - Maria Zherebiateva
3. Blumenmädchen/1. Gruppe - Anna Bondarenko
1. Blumenmädchen/2. Gruppe - Ilia Staple
2. Blumenmädchen/2. Gruppe - Jennie Hietala
3. Blumenmädchen/2. Gruppe - Isabel Signoret


„Vorösterlicher Parsifal

(Dominik Troger)

Osterzeit ist „Parsifal“-Zeit – auch an der Wiener Staatsoper. Am Gründonnerstag ging die erste von insgesamt drei geplanten Aufführungen über die Bühne. Ihr fehlte aber noch der Festtagsglanz.

Über den „Grals-Gulag“, den sich Regisseur Kirill Serebrennikov für die Wiener Staatsoper ausgedacht hat, ist ohnehin schon genug geschrieben worden. Aber die dramaturgische Schwäche des verdoppelten Toren tritt von Aufführung zu Aufführung stärker zu Tage: Alles fokussiert auf das Schauspieler-Double – der Tenor, der die Titelpartie zu verkörpern hat, steht singend daneben wie ein vergessenes „Kulissenstück“.

Überhaupt würde nach dem Eindruck dieser Vorstellung der Produktion eine Neueinstudierung ganz gut tun, um die Szene vor einer gefährlichen Verflachung zu bewahren und sie in ihrem „Bühnen-Existentialismus“ wieder anzuschärfen. Aber das Überzeugendste an dieser Inszenierung sind ohnehin die Videos, die über der Bühne mitlaufen: Serebrennikov hätte doch besser einen Film zur „Parsifal
-Musik gedreht.

Das Staatsopernorchester unter Axel Kober fand noch nicht so recht in den meditativen „Parsifal“-Flow hinein. Einige Unausgewogenheiten werden sich womöglich noch
österlich glätten; eine bessere dynamische Kontrolle würde den Sängern geholfen haben, manches klang dann doch zu laut und in der Klangbalance zu unausgefeilt. Woran es über weite Strecken gefehlt hat, war der Spannungsaufbau, nicht nur bei der Verwandlungsmusik im ersten Aufzug oder beim Karfreitagszauber, der sich zwar schön, aber in seiner Intensität zu „zahm“, aus dem Orchestergraben rankte. (Die Spieldauer des ersten Aufzugs lag bei ca. 1:40 Stunden. DIe Vorstellung dauerte von 17.00 bis ca. 22.10 Uhr.)

Was die emotionale Intensität betrifft, hatte auch die Besetzung nicht wirklich viel zu bieten. Klaus Florian Vogt hat bei früheren Staatsopernauftritten seinen Bühnengeschöpfen mehr tugendhaften „Tenorschimmer“  verliehen, als an diesem Abend. Womöglich war er stimmlich nicht Bestform. Wo er sonst souverän mit keuschem Strahlen glänzte, klang sein Tenor leicht beengt, die Mittellage eine Spur geraut. Das Finale des dritten Aufzugs bereitete ihm sogar einige Mühe.

Jennifer Holloway war gesanglich zu leichtgewichtig, um in Kundry die „Urteufelin“ zu entdecken, die schuldhaft der Unschuld Parsifals nachstellen muss. Die szenischen Banalitäten des zweiten Aufzugs sind dafür aber auch eine große Hürde.
Der von Parsifal zurückgewiesenen Kundry verlieh die Sängerin eine psychotische Fahrigkeit, die outriert wirkte und an ihren stimmlichen Kräften zehrte.

Zu wenig heldisches Leidenspathos entwickelte der gepflegte Bariton von Gerald Finley, dessen Amfortasqualen mehr Expressivität gut vertragen hätten. Franz-Josef Selig sang wie meist einen achtbaren, mildgestimmten Gurnemanz, der langen Karriere entsprechend inzwischen schon deutlich auf kluge Krafteinteilung setzend. Werner Van Mechelen war als undämonischer Klingsor letztlich auch ein Opfer der Inszenierung.
Der Staatsopernchor und die stimmlich mehr knospenden als aufblühenden Blumenmädchen sowie allerhand Knappen, Ritter und ein stimmlich robuster Titurel rundeten die Vorstellung ab. Nikolay Sidorenko hinterließ als schauspielender und dabei schweigender Parsifal-Doppelgänger wieder einen starken Eindruck.

Der starke Schlussbeifall lag bei rund sieben Minuten. (Nach dem ersten Aufzug gab es wieder einigen Applaus. Die Zeiten, in denen er in besinnlicher Stille ausklingen durfte, sind wohl endgültig vorbei.)