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„Walküre am Pfingstmontag“
(Dominik Troger)
Pfingstmontag
mit frühsommerlichen Temperaturen – und der erste „Ring“-Durchgang der
laufenden Saison an der Wiener Staatsoper ist bei der „Walküre“
angekommen. Eine Reihe an Rollendebüts schürten die Neugierde ebenso
wie allerhand Gerüchte: angeblich droht dem Staatsopernpublikum bald
ein neuer „Ring“.
Zwar
pfeifen schon allerhand Spatzen von den Dächern, wer den neuen Wiener
„Ring“ ab übernächster Saison aus dem Hut zaubern soll, aber solange
nichts offiziell ist, soll hier nicht weiter darüber spekuliert werden.
Wirklich bemerkenswert ist allerdings, dass die Wiener Staatsoper in
Zeiten allgemeinen Sparzwangs überhaupt über einen neuen „Ring“
nachdenkt, hat man doch eine intakte Produktion im Repertoire. Aber bei
solchen Bedenken wird wahrscheinlich sofort auf unabdingbare
künstlerische Gründe verwiesen, die dann so unabdingbar sind wie ein
Shopping Center als Kulisse für Georges Bizets „Perlenfischer“.
Aber zurück zur „Walküre“, die sich insgesamt als eher träge Angelegenheit entpuppte, ausgehend vom Dirigat Pablo Heras-Casados.
Heras-Casado scheint einen mehr analytischen Zugang zu pflegen – und
was sich an der Staatsoper bei Monteverdi und Ligeti bewährt hat,
scheint ihm bei Wagner eher zum Nachteil zu gereichen. Auch dürfte
seine Klangauffassung mit den Möglichkeiten des Staatsopernorchesters
nicht harmonieren, dem er keine üppige Klangpalette entlockte, keine
strahlend auftrumpfenden Bläser, keine warm aufschmelzenden Streicher.
Es war ein etwas spröder, etwas unausgewogener Wagner,
mit wenig Gefühl für das Spannen großer Bögen und für das Auskosten
subtiler dramatischer Steigerungen. Es besserte sich ein wenig im Laufe
der Vorstellung nach einem langweiligen ersten Aufzug.
Es lag also stark am Bühnenpersonal, an diese „Walküre“ Spannung anzulegen, was nicht durchgehend gelang. Michael Volles
Wotan wirkte insgesamt ein wenig „rekonvaleszent“: mehr göttliches
Selbstbewusstsein hätte schon der Auseinandersetzung mit Fricka gut
getan, die Wotanserzählung plätscherte in gemächlichem Parlando dahin –
und wenn ich den Eindruck hatte, dass hier rechtzeitig gespart wird, um
am Schluss überhaupt noch etwas zu haben, dann hat sich dieser Eindruck
beim zwar sehr einfühlsam, aber auch sehr resignativ und leise
dargebotenen Brünnhilden-Abschied bestätigt. Für das Herbeizitieren
Loges reichte es dann gerade noch: ein bei seinem Hausdebüt gesanglich
mit den Kräften sehr haushaltend kalkulierender Wotan, wenig mitreißend
und für meinen Geschmack zu lethargisch wirkend.
Seine Lieblingstochter lag bei Camilla Nylund
in keiner „hochdramatischen Kehle“. Nylund packte das Publikum bei
ihrer ersten Wiener Brünnhilde vor allem über ihre emphatische
Rollengestaltung und den klaren straussilbrigen Klang ihres Soprans,
der sich in der Höhe als überraschend „Hojotoho-affin“ und ausreichend
durchsetzungstark erwies. Im direkten Vergleich mit der Sieglinde von Simone Schneider
wurde freilich deutlich, wo Nylund eigentlich zu Hause wäre. Bei Simone
Schneider konnte man hingegen den Eindruck haben, dass ihr die Partie
wirklich passt wie ein Maßanzug. Die Sängerin brachte sich nicht nur
mit einem glanzvollen „hehrsten Wunder“ als begeisternde und
begeisterte Sieglinde in den Abend ein, sondern sorgte insgesamt für
die überzeugendste Sängerleistung an diesem Abend.
Michael Spyres sang bei
seinem Hausdebüt als Siegmund liedhafte, schön gestaltete
„Winterstürme“, ließ die „Wälserufe“ langanhaltend durchs Haus
schallen, und unterlegte Siegmunds Liebe mit dem feinen baritonalen
Glanz seines Tenors. Für den heldisch-kämpferischen Ausdruck fehlte es
an metallischer Höhe, in der sein Tenor limitiert und gepresst klang.
Damit fehlte Siegmund aber auch jenes Maß an euphorischer
Überzeugungskraft, auf die Wagner nicht nur das Finale des ersten
Aufzugs berechnet hat (und mit dem Spyres schon etwas Mühe hatte).
Darstellerisch blieb Spyres eher blass. Sein Gegenspieler Günther Groissböck
gestaltete den Hunding griffiger, gegenüber Sieglinde patriachalisch
brutal: ein unsympathischer Sippenchef mit inzwischen schon recht
trocken klingendem Bass.
Szilvia Vörös lieh bei
ihrem Hausdebüt als Fricka Wotans Gemahlin einen dunkelschimmernden
Mezzo, fast noch zu jugendlich wirkend, um sich als von frustriertem
Eheleben aufgestachelte Göttergattin zu präsentieren. Die
Walküren boten den üblichen Mix an- und weniger ansprechender
Heldenjagd. Was die Inszenierung betrifft ist die „Walküre“
wahrscheinlich der schwächste Teil des Sven-Eric-Bechtolf-„Rings“, aber
es gibt auf der Bühne wenigstens kein Shopping Center zu bestaunen.
Gemessen am sehr starken Schlussbeifall (Länge rund dreizehn Minuten)
waren große Teile des Publikums von der Aufführung sehr angetan.
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