DIE WALKÜRE
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Staatsoper
25. Mai 2026

Dirigent: Pablo Heras-Casado

Siegmund - Michael Spyres
Hundig - Günther Groissböck
Wotan - Michael Volle
Sieglinde - Simone Schneider
Brünnhilde - Camilla Nylund
Fricka - Szilvia Vörös
Helmwige - Regine Hangler
Gerhilde - Jenni Hietala
Ortlinde - Anna Bondarenko
Waltraute - Stephanie Houtzeel
Siegrune - Alma Neuhaus
Grimgerde - Zsuzanna Szabó

Schwertleite - Stephanie Maitland
Roßweiße - Daria Sushkova


„Walküre am Pfingstmontag“
(Dominik Troger)

Pfingstmontag mit frühsommerlichen Temperaturen – und der erste „Ring“-Durchgang der laufenden Saison an der Wiener Staatsoper ist bei der „Walküre“ angekommen. Eine Reihe an Rollendebüts schürten die Neugierde ebenso wie allerhand Gerüchte: angeblich droht dem Staatsopernpublikum bald ein neuer „Ring“.

Zwar pfeifen schon allerhand Spatzen von den Dächern, wer den neuen Wiener „Ring“ ab übernächster Saison aus dem Hut zaubern soll, aber solange nichts offiziell ist, soll hier nicht weiter darüber spekuliert werden. Wirklich bemerkenswert ist allerdings, dass die Wiener Staatsoper in Zeiten allgemeinen Sparzwangs überhaupt über einen neuen „Ring“ nachdenkt, hat man doch eine intakte Produktion im Repertoire. Aber bei solchen Bedenken wird wahrscheinlich sofort auf unabdingbare künstlerische Gründe verwiesen, die dann so unabdingbar sind wie ein Shopping Center als Kulisse für Georges Bizets „Perlenfischer“.

Aber zurück zur „Walküre“, die sich insgesamt als eher träge Angelegenheit entpuppte, ausgehend vom Dirigat Pablo Heras-Casados. Heras-Casado scheint einen mehr analytischen Zugang zu pflegen – und was sich an der Staatsoper bei Monteverdi und Ligeti bewährt hat, scheint ihm bei Wagner eher zum Nachteil zu gereichen. Auch dürfte seine Klangauffassung mit den Möglichkeiten des Staatsopernorchesters nicht harmonieren, dem er keine üppige Klangpalette entlockte, keine strahlend auftrumpfenden Bläser, keine warm aufschmelzenden Streicher. Es war
ein etwas spröder, etwas unausgewogener Wagner, mit wenig Gefühl für das Spannen großer Bögen und für das Auskosten subtiler dramatischer Steigerungen. Es besserte sich ein wenig im Laufe der Vorstellung nach einem langweiligen ersten Aufzug.

Es lag also stark am Bühnenpersonal, an diese „Walküre“ Spannung anzulegen, was nicht durchgehend gelang. Michael Volles Wotan wirkte insgesamt ein wenig „rekonvaleszent“: mehr göttliches Selbstbewusstsein hätte schon der Auseinandersetzung mit Fricka gut getan, die Wotanserzählung plätscherte in gemächlichem Parlando dahin – und wenn ich den Eindruck hatte, dass hier rechtzeitig gespart wird, um am Schluss überhaupt noch etwas zu haben, dann hat sich dieser Eindruck beim zwar sehr einfühlsam, aber auch sehr resignativ und leise dargebotenen Brünnhilden-Abschied bestätigt. Für das Herbeizitieren Loges reichte es dann gerade noch: ein bei seinem Hausdebüt gesanglich mit den Kräften sehr haushaltend kalkulierender Wotan, wenig mitreißend und für meinen Geschmack zu lethargisch wirkend.

Seine Lieblingstochter lag bei Camilla Nylund in keiner „hochdramatischen Kehle“. Nylund packte das Publikum bei ihrer ersten Wiener Brünnhilde vor allem über ihre emphatische Rollengestaltung und den klaren straussilbrigen Klang ihres Soprans, der sich in der Höhe als überraschend „Hojotoho-affin“ und ausreichend durchsetzungstark erwies. Im direkten Vergleich mit der Sieglinde von Simone Schneider wurde freilich deutlich, wo Nylund eigentlich zu Hause wäre. Bei Simone Schneider konnte man hingegen den Eindruck haben, dass ihr die Partie wirklich passt wie ein Maßanzug. Die Sängerin brachte sich nicht nur mit einem glanzvollen „hehrsten Wunder“ als begeisternde und begeisterte Sieglinde in den Abend ein, sondern sorgte insgesamt für die überzeugendste Sängerleistung an diesem Abend.

Michael Spyres sang bei seinem Hausdebüt als Siegmund liedhafte, schön gestaltete „Winterstürme“, ließ die „Wälserufe“ langanhaltend durchs Haus schallen, und unterlegte Siegmunds Liebe mit dem feinen baritonalen Glanz seines Tenors. Für den heldisch-kämpferischen Ausdruck fehlte es an metallischer Höhe, in der sein Tenor limitiert und gepresst klang. Damit fehlte Siegmund aber auch jenes Maß an euphorischer Überzeugungskraft, auf die Wagner nicht nur das Finale des ersten Aufzugs berechnet hat (und mit dem Spyres schon etwas Mühe hatte). Darstellerisch blieb Spyres eher blass.
Sein Gegenspieler Günther Groissböck gestaltete den Hunding griffiger, gegenüber Sieglinde patriachalisch brutal: ein unsympathischer Sippenchef mit inzwischen schon recht trocken klingendem Bass.

Szilvia Vörös lieh bei ihrem Hausdebüt als Fricka Wotans Gemahlin einen dunkelschimmernden Mezzo, fast noch zu jugendlich wirkend, um sich als von frustriertem Eheleben aufgestachelte Göttergattin zu präsentieren.  Die Walküren boten den üblichen Mix an- und weniger ansprechender Heldenjagd. Was die Inszenierung betrifft ist die „Walküre“ wahrscheinlich der schwächste Teil des Sven-Eric-Bechtolf-„Rings“, aber es gibt auf der Bühne wenigstens kein Shopping Center zu bestaunen. Gemessen am sehr starken Schlussbeifall (Länge rund dreizehn Minuten) waren große Teile des Publikums von der Aufführung sehr angetan.