LA TRAVIATA
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Staatsoper
1. Februar 2026

Dirigent: Giampaolo Bisanti

Violetta Valery - Kristina Mkhitaryan
Alfredo Germont - Xabier Anduaga
Giorgio Germont - Artur Rucinski
Flora Bervoix - Florentina Serles
Annina -
Stephanie Maitland
Gaston - Carlos Osuna
Baron Douphol - Leonardo Neiva

Marquis d'Obigny - Hans Peter Kammerer
Dottore Grenvil - Dan Paul Dumitrescu
Giuseppe - Thomas Köber
Kommissionär - Alejandro Pizarro-Enriquez
Diener bei Flora - Wolfram Igor Derntl


„Repertoire mit Tenorglanz
(Dominik Troger
)

An der Staatsoper ist für drei Vorstellungen Simon Stones Inszenierung von „La traviata“ zurückgekehrt, die ihre szenische Nachhaltigkeit vor allem aus dem unermüdlichen Einsatz der Drehbühne gewinnt.

Nadine Sierra und Xabier Anduaga hätten das „Dreamteam“ dieser Aufführungen bilden sollen. Aber Sierra hat die Violetta bekanntlich mit der Luisa Miller getauscht und wird am kommenden Samstag in dieser Partie ihre erste Premiere am Haus singen. Die Staatsoper hat in Kristina Mkhitaryan einen routinierten Ersatz gefunden.

Die Sängerin hat die Rolle in dieser Inszenierung bereits mehrmals am Haus verkörpert ein Punkt, der bei dem „Szene-Wechsel-Dich-Ringelspiel“ der Inszenierung nur von Vorteil sein kann. (Violetta spielt in dieser Produktion eine social-media-affine Influencerin und die Bühne hält für das Publikum viele optische Ablenkungen bereit.) Mkhitaryans Sopran kann mit einer leicht dunkel grundierten Mittellage punkten, was Violettas Liebes- und Lebensqualen eine gute emotionale Basis verleiht. Die Piani wurden an diesem Abend allerdings nicht so samtig ausgemalt wie von ihr schon gehört. Der erste Akt bereitete ihr etwas Mühe, die Spitzentöne wurden wieder mit zu viel Kraft gesungen, klangen oft etwas eng und gepresst.

Das Stammpublikum hat vor allem wegen Xabier Anduaga seine Ohren
gespitzt“. Anduagas Alfredo war wie erwartet auch der Star dieser Aufführung: mit jugendlicher Unbekümmertheit und kräftiger lyrischen Tenorstimme hat er die Herzen des Publikums für sich gewonnen. Die Stimme schwelgt in jugendlicher Fülle, das Timbre ist schmelzreich, gesättigt mit südländischem Temperament, ohne dabei zu übertreiben. Es stellt sich nie das Gefühl ein, dass der Sänger mehr aus seinem Tenor herausholen möchte, als er zu geben im Stande ist und wie selbstverständlich krönte er das  „O mio riomorso" mit lange gehaltenem Spitzenton. Auch im Spiel war Anduaga ganz der junge verliebte Kerl, der dann in Anbetracht der Umstände emotional aus der Fassung gerät. 

Vater Germont verbreitet in dieser Inszenierung den Charme eines subalternen Beamten, dem die Familienskrupel einer finanzstarken Upperclass schwer abzukaufen sind. Artur Rucinski hat mit seinem mehr griffigen als klangschönen Bariton an diesem Eindruck auch nichts ändern können. Die vielen Nebenrollen brachten die Spannweite des Ensembles mit allen Vorzügen und Nachteilen zur Geltung, und der Chor musste für Floras Ball natürlich wieder in diese dümmlichen Kostüme schlüpfen, was sich zum Glück nicht negativ auf seinen Gesang ausgewirkt hat.

Das Orchester unter Giampaolo Bisanti startete im Tempo träge, in Spiel und Lautstärke zu forsch in die Vorstellung, es besserte sich im Laufe des Abends, der 
bis auf die genannte Ausnahme mehr solides Repertoire als Glanz bereithielt. Das Publikum war positiv beeindruckt und spendete rund acht Minuten langen Schlussapplaus.