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„Repertoire mit Tenorglanz“
(Dominik
Troger)
An
der Staatsoper ist für drei Vorstellungen Simon Stones Inszenierung von
„La traviata“ zurückgekehrt, die ihre szenische Nachhaltigkeit vor
allem aus dem unermüdlichen Einsatz der Drehbühne gewinnt.
Nadine
Sierra und Xabier Anduaga hätten das „Dreamteam“ dieser Aufführungen
bilden sollen. Aber Sierra hat die Violetta bekanntlich mit der Luisa
Miller getauscht und wird am kommenden Samstag in dieser Partie ihre
erste Premiere am Haus singen. Die Staatsoper hat in Kristina Mkhitaryan einen routinierten Ersatz gefunden.
Die Sängerin hat die Rolle in dieser Inszenierung bereits mehrmals am Haus verkörpert – ein
Punkt, der bei dem „Szene-Wechsel-Dich-Ringelspiel“ der Inszenierung
nur von Vorteil sein kann. (Violetta spielt in dieser Produktion eine
social-media-affine Influencerin und die Bühne hält für das Publikum
viele optische Ablenkungen bereit.) Mkhitaryans Sopran kann mit einer
leicht dunkel grundierten Mittellage punkten, was Violettas Liebes- und
Lebensqualen eine gute emotionale Basis verleiht. Die Piani wurden an
diesem Abend allerdings nicht so samtig ausgemalt wie von ihr schon
gehört. Der erste Akt bereitete ihr etwas Mühe, die Spitzentöne wurden
wieder mit zu viel Kraft gesungen, klangen oft etwas eng und gepresst.
Das Stammpublikum hat vor allem wegen Xabier Anduaga seine Ohren „gespitzt“.
Anduagas Alfredo war wie erwartet auch der Star dieser Aufführung: mit
jugendlicher Unbekümmertheit und kräftiger lyrischen Tenorstimme hat er
die Herzen des Publikums für sich gewonnen. Die Stimme schwelgt in
jugendlicher Fülle, das Timbre ist schmelzreich, gesättigt mit
südländischem Temperament, ohne dabei zu übertreiben. Es stellt sich
nie das Gefühl ein, dass der Sänger mehr aus seinem Tenor herausholen
möchte, als er zu geben im Stande ist – und wie selbstverständlich krönte er das „O mio riomorso"
mit lange gehaltenem Spitzenton. Auch im Spiel war Anduaga ganz der
junge verliebte Kerl, der dann in Anbetracht der Umstände emotional aus
der Fassung gerät.
Vater Germont verbreitet in dieser Inszenierung den Charme eines
subalternen Beamten, dem die Familienskrupel einer finanzstarken
Upperclass schwer abzukaufen sind. Artur Rucinski hat
mit seinem mehr griffigen als klangschönen Bariton an diesem Eindruck
auch nichts ändern können. Die vielen Nebenrollen brachten die
Spannweite des Ensembles mit allen Vorzügen und Nachteilen zur Geltung,
und der Chor musste für Floras Ball natürlich wieder in diese
dümmlichen Kostüme schlüpfen, was sich zum Glück nicht negativ auf
seinen Gesang ausgewirkt hat.
Das Orchester unter Giampaolo Bisanti startete im Tempo träge, in Spiel und Lautstärke zu forsch in die Vorstellung, es besserte sich im Laufe des Abends, der bis auf die genannte Ausnahme mehr solides Repertoire als Glanz bereithielt. Das Publikum war positiv beeindruckt und spendete rund acht Minuten langen Schlussapplaus.
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