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OTELLO
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Wiener Staatsoper
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Otello,
ein Mohr, venezianischer Feldherr - José Cura |
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José
Cura Showmaster
Die Spannung im ausverkauften Haus war zum Greifen, die Stimmung durch diverse Zeitungsberichte aufgeheizt. Und nachdem das erste Bild noch mehr dem allgemeinen Einsingen gedient hatte, schlug beim Liebesduett Othello-Desdemona die erste Stunde der Wahrheit. José Cura, dem diese ganze Aufmerksamkeit hauptsächlich galt, entpuppte sich rasch als showmasterartig über die Bühne schreitender Laufsteg-Othello. Weil man dahinter aber auch eine verliebte Geckenhaftigkeit des venezianischen Feldherrn vermuten konnte, stört es zu Beginn noch nicht sonderlich. Curas Stimme ist nicht ohne diesem gewissen, schwer zu definierenden Etwas, dass Tenöre einfach haben müssen, um populär zu werden. Es ist eine Sache des Timbres und der allgemeinen Erscheinung. Es ist - zumindest bei Cura - keine Sache der Technik. In seinem "Drauf-los-Singen" entpuppt er sich als Naturtalent. Nun hat aber, was manche im Vorfeld angezweifelt haben, Cura diesen Othello ohne Zweifel "gesungen" und das durchaus passabel, wenn man es an den produzierten Noten mißt. Dass seine Technik sehr ungeschliffen ist und man fürchten muss, dass er sich bei weiterem expansiven Singen innerhalb weniger Jahre ruiniert, steht auf einem anderen Blatt. Vor allem der Vergleich mit Renato Bruson (Jago) und Soila Isokoski (Desdemona) zeigte diesen Par-force-Ritt, der hier gewagt wurde. (Ja, warum tut er das wirklich und singt den Othello schon jetzt?) Renato Bruson ist als Jago ein bisserl zu brav, er fand erst im Laufe des Abends zu schärferen Konturen, hinterließ aber zuletzt - wie immer möchte man schreiben - einen hervorragenden Eindruck. Soile Isokoski überzeugte als hingebungsvolle Desdemona und mit einem sehr weich gesungenen Weide-Lied vor ihrem bitteren Ende, das innig und verhalten zugleich, durch das gespannt-lauschende Auditorium wehte. Marcello Viotti ließ des öfteren nicht von zu heftiger Lautstärke ab und nahm den Othello überhaupt sehr veristisch, knallig. Das Orchester war willig und ließ sich da und dort zu einem differenzierten Spiel hinreißen, was man im italienischen Fach leider immer seltener zu hören bekommt. Zu guter Letzt war das Publikum zufrieden, der Applaus verteilte sich ziemlich gleichmäßig über die drei Hauptdarsteller, auch der Dirigent wurde gefeiert. Die ganze Aufregung im Vorfeld muß freilich einer gut geölten PR-Maschinerie zugerechnet werden, zumindest da scheint Cura weltmeisterlich zu sein. |
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