NABUCCO
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Staatsoper
5. März 2026

Dirigent: Marco Armiliato


Nabucco - Amartuvshin Enkhbat
Ismaele - Ivan Magrì
Zaccaria - Alexander Vinogradov
Abigaille -
Anna Netrebko
Fenena - Szilvia Vörös
Oberpriester - Dan Paul Dumistrescu
Abdallo - Lukas Schmidt
Anna - Maria Zherebiateva


Dieses Mal mit Anna Netrebko
(Dominik Troger)

Die dritte Vorstellung der laufenden „Nabucco“-Serie an der Wiener Staatsoper wurde mit Spannung erwartet. Wird Anna Netrebko singen? Ja, sie wird!

Die Vorstellung begann wieder mit einer Ansage. Doch zu allererst wurde das Publikum beruhigt: Anna Netrebko wird wirklich singen. Dann wurde mitgeteilt, dass Szilvia Vörös für Monica Bohinec einspringt, und dass Alexander Vinogradov wegen einer Pollenallergie um Nachsicht bitte. 

Anna Netrebko selbst wurde nicht angesagt. Sie lieh der Abigaille ihren satten Sopran, von der Höhe bis zur Tiefe gut durchgeformt und ohne Schärfe. Mit publikumsaffinem „Divenbewusstsein“ und ausgewogenem Gesang beherrschte sie diese von Günther Krämer vor fünfundzwanzig Jahren szenisch arrangierte „Stehpartie“. Dass sie den Schlusston der Cabaletta hinunter sang, hat den
Nervenkitzel für das Publikum zwar nicht auf die Spitze getrieben, war aber in Anbetracht der Absage am Montag womöglich einer gebotenen Risikominimierung geschuldet.

Es war ohnehin bemerkenswert, wie gut die Sängerin ihre stimmlichen Ressourcen mit „Maß“ und „Ziel“ zum Einsatz brachte, um die plakativen Emotionszustände dieser gesanglich schwierig umzusetzenden Bühnenfigur überzeugend auszumalen und sich dabei „stimmhygienisch“ nicht zu überfordern. Wohin das nämlich führen kann, davon hat das Schicksal der (an Jahren jüngeren) Einspringerin am Montag beredtes Zeugnis abgelegt.

Amartuvshin Enkhbats Nabucco bewegte sich wieder auf hohem gesanglichen Niveau. An Würde fehlte es ihm dabei nicht, aber erst im vierten Akt schien er wirklich Nabuccos „Herz“ gefunden zu haben, um danach mit kämpferischem Ansinnen seinen Herrscherstatus zurückzugewinnen. Alexander Vinogradov begann erneut mit unstetem Bass, der sich im Laufe des ersten Aktes aber wieder festigte. Schön vorgetragen und innig gelang ihm das Gebet, das sich auch dank der
romantischen Begleitung stimmungsvoll rundete.

Szilvia Vörös hat schon in der Vergangenheit als Fenena einen guten Eindruck hinterlassen und war für die Vorstellung ein Pluspunkt, Ivan Magrì widmete sich erneut wacker der undankbaren Partie des Ismaele. Der Staatsopernchor reüssierte, ebenso das Orchester unter Marco Armiliato. Aber dieses Mal war ja auch keine „Krisenintervention“ zu leisten. Der einhellig positive, in der Intensität fast ein wenig verhalten wirkende Schlussapplaus lag bei zwölf Minuten.


An dieser Stelle soll noch angemerkt werden, dass in den Medienberichten von den Vorgängen am Montagabend teilweise ein recht sensationsheischender  Eindruck erweckt wurde: Der allergrößte (!) Teil des Publikums hat sich anhörlich der von der Einspringerin gebotenen gesanglichen Leistung nämlich ohne lautstarke Missbilligung zu äußern in erduldender Demut geübt
. Die Staatsoper hat zu den Vorgängen am Montag außerdem noch ein Statement abgegeben, das im „Standard“ nachgelesen werden kann. Demnach habe man die Einspringerin quasi „prophylaktisch“ von Prag nach Wien kommen lassen und Netrebkos Absage sei erst rund eineinhalb Stunden vor Vorstellungsbeginn erfolgt. (1)

PS: Der von der Staatsoper angekündigte Livestream von der Vorstellung am 5. März ist übrigens durch den Stream einer „Nabucco“-Aufnahme aus dem Jahr 2021 mit Placido Domingo in der Titelpartie ersetzt worden.

(1)  „Buhrufe: Staatsoper meint, bei Netrebko-Absage richtig gehandelt zu haben“. In: Der Standard, 5.3.2026 https://www.derstandard.at/story/3000000311260/buhrufe-staatsoper-habe-bei-netrebko-absage-richtig-gehandelt [6.3.26]