NABUCCO
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Staatsoper
2. März 2026

Dirigent: Marco Armiliato


Nabucco - Amartuvshin Enkhbat
Ismaele - Ivan Magrì
Zaccaria -
Alexander Vinogradov
Abigaille -
Eliška Weissová
Fenena - Monika Bohinec
Oberpriester - Dan Paul Dumistrescu
Abdallo - Lukas Schmidt
Anna - Maria Zherebiateva


Nabucco - eine Erregung
(Dominik Troger)

Wenn Anna Netrebko kurzfristig absagt, ist Feuer am Dach: Die Staatsoperndirektion kommt ins „Schwitzen“ und der Gefühlshaushalt des Publikums ins „Kochen“. So geschehen bei der zweiten Vorstellung der aktuellen „Nabucco“-Aufführungsserie an der Wiener Staatsoper.

Abigaille und Wien bescherte Anna Netrebko schon in der Vergangenheit einiges Missbehagen. Das für Herbst 2021 geplante Rollendebüt an der Staatsoper musste die Sängerin wegen einer Schulteroperation absagen, jetzt macht ihr eine Erkältung schwer zu schaffen. Das nachgeholte Rollendebüt am Freitag ist sich noch ausgegangen, die zweite Vorstellung am Montag nicht mehr.

Die Aufführung begann also mit einer Ansage. Als Einspringerin wurde dem Publikum Eliška Weissová angekündigt, zuletzt in Wien als „Fremde Fürstin“ in der „Rusalka“ aufgeboten. Sie war erst im Laufe des Nachmittags per Bahn von Prag nach Wien gereist. Das Publikum war natürlich enttäuscht, es war aber auch ziemlich überrascht, weil die Umbesetzung seitens der Staatsoper nicht – wie sonst üblich – etwa durch das Anbringen eines rosa Zettels bei den Abendplakaten im Vorfeld kommuniziert worden war. Schließlich wäre dafür doch ausreichend Zeit zur Verfügung gestanden.
 
Schnell wurde deutlich: Der Sängerin würde diese ohnehin heikle Partie an diesem Abend erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Ihre Stimme klang sehr unausgewogen und wurde unsauber geführt, mit überlaut herausgeschleuderten, sehr scharfen Spitzentönen und einer deutlich abgesetzten, „fahlbrustigen“ Tiefe versehen, während sie in der Mittellage öfters kaum mehr zu hören war.

Die Arie im zweiten Akt wurde so unzureichend präsentiert, dass sie spontane Buhrufe von der Galerie auslöste. Später schloss sich dort  sogar ein kurzes Wortgefecht an. (Von meinem Platz an der Seite auf dem Balkon waren diese Rufe im Detail akustisch nicht zu verstehen. In anderen Quellen wird zumindest der Ausruf „Geld zurück!“ kolportiert.) Bei der Cabaletta sparte sich die Sängerin dann kluger Weise einige Noten. Nachdem diese „Klippe“ überwunden war, ging es nach der Pause etwas besser.

Im Pausenfoyer machten sich viele Besucher im Gespräch ihrem Ärger Luft, wobei vor allem die Staatsoperndirektion gar nicht gut wegkam. Dass man sich allerdings aus nachvollziehbarem Ärger während (!) der Vorstellung zu Missfallenskundgebungen hinreißen lässt, ist schwer zu verargumentieren. Auch wenn Stammbesucher in der Pause die Vorstellung verlassen haben (wie der Herr neben mir, der meinte, er habe ohnehin die erste Vorstellung gesehen und er müsse sich das nicht weiter antun),  gab es keine „scharenweise“ Abwanderung,  wie in  Medien berichtet wird.

Als Nabucco war wieder Amartuvshin Enkhbat angetreten. Seinem leicht „gaumig-wolkigen“ Bariton fehlt es immer noch an emotionaler Ausdifferenzierung – und so klingt vieles nach wie vor sehr vielversprechend und bleibt andererseits doch blass. Alexander Vinogradov lieh dem Zaccaria im ersten Akt einen unstet klingenden, metallisch unterlegten Bass. Die kräftige Stimme konsolidierte sich aber im Laufe des Abends, doch es fehlte ihr stark an „Balsam“ .

Für Monika Bohinec liegt die Fenena nicht mehr ideal, was sich vor allem im Finale mit viel Vibrato und gedrückter Höhe störend bemerkbar machte. Ivan Magrì steuerte einen spröd klingenden Ismaele bei. Der Staatsopernchor ließ das „Va, pensiero“  so langgehalten und dezent ausklingen, dass einem ganz warm ums Herz wurde – und vielleicht haben sich dann doch einige aufgeregte Gemüter mit dieser Vorstellung wieder ein wenig versöhnt.

Marco Armiliato war der Aufführung trotz aufgischtender Emotionen ein sicherer Anwalt. Der Beginn geriet allerdings zu spannungslos, das zuerst etwas undifferenziert aufspielende Staatsopernorchester fand erst im Laufe des Abends zu gewohnter Form.

Der Schlussapplaus dauerte rund sieben Minuten. Weissová verzichtete aus verständlichen Gründen auf den Solovorhang, ein paar weitere Buhrufe blieben der aufopferungsvollen Einspringerin aber trotzdem nicht erspart.

PS: Die angeblichen Buhs für Netrebko in der ersten Aufführung von denen die „Kronen Zeitung“ schreibt (Sonntagsausgabe vom 1. März 2026: „Aber viele Buhs! Auch für Netrebko.“), haben mir bekannte, glaubwürdige Vorstellungsbesucher nicht bestätigt
–  bestätigt wurde ein Buhruf nach der  Auftrittsarie des Zaccaria. (Wobei die Hörbarkeit von Buhrufen auch vom jeweiligen Platz abhängt und die Rufe oft zu schwach sind, um im Haus ganz durchzudringen, etwa wenn sie sich mit Applaus mischen.)

PPS: Es wäre auch hilfreich, bei Ansagen den Namen der Einspringerin bzw. des Einspringers deutlich und für das Publikum verständlich auszusprechen.