|
MACBETH
|
| Home | |||||
|
Staatsoper |
Macbeth - Étienne
Dupuis |
|
Attraktive Lady Spannendes Repertoire mit szenischen Insuffizienzen: Die Staatsoper spielt wieder Barrie Koskys „Macbeth“-Produktion, ausstaffiert mit einem neuen Titelhelden und einer jugendlich-aparten Lady. Étienne Dupuis gibt
zum ersten Mal den Macbeth in Wien: kein Macbeth, der sich sein
Schicksal „schön“ färbt, sondern einer, dem man den „strauchelnden“
Krieger glaubt. Seine Stärke liegt mehr in der Attacke, und wenn
er sich mit „Tod oder Ruhm“ in die finale Schlacht wirft, dann reißt es
mit und macht noch einmal Energien frei. Erschwert
wird ihm die Aufgabe durch die Inszenierung, die die Handlung als Albtraum
des Macbeth erzählt, und ihm in wichtigen Szenen die Unterstützung
versagt. Die geheimnisvolle Erscheinung der Könige findet nur in
Macbeth Kopf statt, die Bankettszene ist auf ihn und die Lady
heruntergebrochen, zweigeschlechtliche Trikot-Nackerte stehen am
Bühnenrand und bewerfen sie mit Papierschlangen. Sogar der erster
Auftritt im Glanz frisch gewonnenen Schlachtenruhms wird Macbeth
„gestohlen“, liegt er doch gleich am Beginn auf der Bühne, gequält von
schlechten Träumen. Dupuis
meisterte diese Herausforderungen mehr sachlich als mit königlicher
„Grandezza“, wobei die oftmalige Nähe der katzenhaften Lady von Anastasia Bartoli
ein guter Verstärker für die geforderten Emotionen war: Denn diese Lady
fuhr ihre Krallen aus, gepackt in das Fell erotischer Geschmeidigkeit. Bartoli
war keine neue Lady für Wien, hat die Partie bereits vor zwei Jahren
zweimal an der Staatsoper gesungen. Ihr Sopran klang überraschend klar
und frisch, nahezu ohne Schärfe
und mit ausreichender Beweglichkeit versehen, obwohl sie in diesem Fach
schon seit einigen Jahren unterwegs ist. Ein Manko ist die eher schwach
ausgebildete Tiefe, wodurch nicht nur die Düsternis des „La luce langue“ zu
flach geriet. Der Gefahr zu stark zu forcieren ist sie nicht
erlegen, auch wenn ein kleineres Haus für die umfassende Wirkung dieser
Lady von Vorteil gewesen wäre. Denn ihre reizvolle, elegante Verführungskraft hatte zwar viel Verve, aber zugleich einen lyrischen „Touch“, der das Publikum nicht mit schallenden „Spintosalven“ in die Sitze „genagelt“ hat. Ob Bartoli auch an historischen Rollenvertreterinnen geschulte „Melomanen“ zufrieden stellen kann? Wahrscheinlich nicht. Aber wer könnte das schon? Im Vergleich wirkte ihre Rolleninterpretation schlank, modern, eine attraktive „Slimfit“-Lady. Die übrige Besetzung reichte an das mörderische Paar nicht heran: Alexander Vinogradov war ein solider Banco, der szenisch bedingt nicht einmal als Geist erscheinen darf. Najmiddin Mavlyanov gab einen tenoral ziemlich grobschlächtigen Macduff. Der Chor kümmerte sich
gesanglich mitfühlend um das Schicksal der schottischen Flüchtlinge,
auf diese Qualität ist Verlass. Francesco Ivan Ciampa
und das Staatsopernorchester ließen es an Energie nicht fehlen, und so
tönte Verdis Schauerstück recht zündend aus dem Orchestergraben. Der Schlussapplaus für die zweite Vorstellung im Rahmen dieser
Aufführungsserie war mit einer Länge von sechs Minuten etwas
knapp bemessen. |
||||