MACBETH
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Staatsoper
27. September 2026


Musikalische Leitung: Francesco Ivan Ciampa

Macbeth - Étienne Dupuis
Banco - Alexander Vinogradov
Lady Macbeth - Anastasia Bartoli
Macduff - Najmiddin Mavlyanov
Malcolm - Carlos Osuna
Ein Arzt - Bo Wang
Kammerfrau - Anna Bondarenko
Fleance - Alessandra Bareggi
Diener - Alejandro Pizarro-Enríquez
Ein Mörder - Ferdinand Pfeiffer
Stimmen der Erscheinungen - Panajotis Pratsos, Helena Paeschke, Alisa Mazotova


Attraktive Lady
(Dominik Troger)

Spannendes Repertoire mit szenischen Insuffizienzen: Die Staatsoper spielt wieder Barrie Koskys „Macbeth“-Produktion, ausstaffiert mit einem neuen Titelhelden und einer jugendlich-aparten Lady.

Étienne Dupuis gibt zum ersten Mal den Macbeth in Wien: kein Macbeth, der sich sein Schicksal „schön“ färbt, sondern einer, dem man den „strauchelnden“ Krieger glaubt. Seine Stärke liegt mehr in der Attacke, und wenn er sich mit „Tod oder Ruhm“ in die finale Schlacht wirft, dann reißt es mit und macht noch einmal Energien frei.

Erschwert wird ihm die Aufgabe durch die Inszenierung, die die Handlung als Albtraum des Macbeth erzählt, und ihm in wichtigen Szenen die Unterstützung versagt. Die geheimnisvolle Erscheinung der Könige findet nur in Macbeth Kopf statt, die Bankettszene ist auf ihn und die Lady heruntergebrochen, zweigeschlechtliche Trikot-Nackerte stehen am Bühnenrand und bewerfen sie mit Papierschlangen. Sogar der erster Auftritt im Glanz frisch gewonnenen Schlachtenruhms wird Macbeth „gestohlen“, liegt er doch gleich am Beginn auf der Bühne, gequält von schlechten Träumen.

Dupuis meisterte diese Herausforderungen mehr sachlich als mit königlicher „Grandezza“, wobei die oftmalige Nähe der katzenhaften Lady von Anastasia Bartoli ein guter Verstärker für die geforderten Emotionen war: Denn diese Lady fuhr ihre Krallen aus, gepackt in das Fell erotischer Geschmeidigkeit. Bartoli war keine neue Lady für Wien, hat die Partie bereits vor zwei Jahren zweimal an der Staatsoper gesungen.

Ihr Sopran klang überraschend klar und frisch, nahezu ohne Schärfe und mit ausreichender Beweglichkeit versehen, obwohl sie in diesem Fach schon seit einigen Jahren unterwegs ist. Ein Manko ist die eher schwach ausgebildete Tiefe, wodurch nicht nur die Düsternis des „La luce langue“ zu flach geriet. Der Gefahr zu stark zu forcieren ist sie nicht erlegen, auch wenn ein kleineres Haus für die umfassende Wirkung dieser Lady von Vorteil gewesen wäre.

Denn ihre reizvolle, elegante Verführungskraft hatte zwar viel Verve, aber zugleich einen lyrischen „Touch“, der das Publikum nicht mit schallenden „Spintosalven“ in die Sitze „genagelt“ hat. Ob Bartoli auch an historischen Rollenvertreterinnen geschulte „Melomanen“ zufrieden stellen kann? Wahrscheinlich nicht. Aber wer könnte das schon? Im Vergleich wirkte ihre Rolleninterpretation schlank, modern, eine attraktive „Slimfit“-Lady.

Die übrige Besetzung reichte an das mörderische Paar nicht heran: Alexander Vinogradov war ein solider Banco, der szenisch bedingt nicht einmal als Geist erscheinen darf. Najmiddin Mavlyanov gab einen tenoral ziemlich grobschlächtigen Macduff. Der Chor kümmerte sich gesanglich mitfühlend um das Schicksal der schottischen Flüchtlinge, auf diese Qualität ist Verlass. Francesco Ivan Ciampa und das Staatsopernorchester ließen es an Energie nicht fehlen, und so tönte Verdis Schauerstück recht zündend aus dem Orchestergraben.

Der Schlussapplaus für die zweite Vorstellung im Rahmen dieser Aufführungsserie war mit einer Länge von sechs Minuten etwas knapp bemessen.