SALOME
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Staatsoper
4. Mai 2026


Musikalische Leitung: Sebastian Weigle


Salome - Lidia Fridman
Jochanaan - Tomasz Konieczny
Herodes - Gerhard Siegel
Herodias - Monika Bohinec
Narraboth - Daniel Jenz
Page - Isabel Signoret
1. Jude - Thomas Ebenstein
2. Jude - Andrea Giovannini
3. Jude - Carlos Osuna
4. Jude - Hiroshi Amako
5. Jude - Evgeny Solodovnikov
1. Nazarener - Attila Mokus
2. Nazarener - Jusung Gabriel Park
1. Soldat - Simonas Strazdas
2. Soldat - Dohoon Lee
Ein Kappadozier - Michael Wilder
Ein Sklave -
Wolfram Igor Derntl
Henker - Alexandre Cardoso Da Silva

Darstellender Videograph - Jakob Pitzer
Die kleine Salome - Kiyomi Sonnleitner
Die kleine Salome (Tanz / Video) - Eliska Smatralova

„Herbe Salome
(Dominik Troger)

Prinzessin Salome tritt in der Staatsoper wieder an, um ihre Gelüste am Kopf des Jochanaan zu stillen. Mit Lidia Fridman stand ein Shootingstar des gegenwärtigen Opernbetriebs auf der Bühne – und ihre aparte, mit einer gewissen Unnahbarkeit umflorte Erscheinung passte in die Inszenierung von Cyril Teste, die aus dem erotisch-dekadenten „Orientalismus“ eines Richard Strauss ein kühles, traumatagespicktes „Society-Drama“ macht.

Lidia Fridmans internationale Karriere hat laut ihrer Homepage 2019 begonnen. Sie hat unter anderem Lucrezia Borgia, Anna Bolena, Norma, Abigaille, Lady Macbeth, Lina, Amelia, Salome, Wozzeck-Marie gesungen. Fridman bezeichnet sich laut ihrer Homepage als „dramatic bel canto soprano“ und sie scheint dabei weder „dramatic“ noch „belcanto“ auszulassen. Letzte Saison hat sie an der Staatsoper als Norma debütiert – jetzt folgte die Salome.

Fridmans Sopran hat vor allem zwei herausstechende Eigenschaften: eine dunkle, metallische Grundierung, die ihm eine im Höreindruck gewöhnungsbedürftige, wenn auch durchschlagskräftige „Hohlwangigkeit“ verleiht, mit wenig Basis in der schwach fundierten Tiefe – sowie ein inzwischen stark raumgreifendes „Wobble“, das keine kussmund-erotischen Salome-Phantasien beflügelt. Fridmans Salome ist mehr eine recht erwachsen wirkende Salome mit etwas kantigen Zügen und keine die „Décadence“ mit juvenil-lüsterner Skandalerotik auslebende „Kindfrau“. Zudem sollte man sich keine subtile Textausdeutung erwarten, Fridman packt das Publikum vor allem mit ihren herben Expressivität – und dieses ließ sich, wie am Schlussjubel für die Sängerin abzulesen war, davon auch leicht überzeugen.

Ihr distanziertes Spiel passte – wie erwähnt – gut in den Rahmen einer Produktion, mit der vor drei Jahren auch an der Staatsoper die heute übliche Verzeichnung der „Salome“ als Missbrauchsgeschichte Einzug gehalten hat. Am besten ist das am ziemlich plump choreographierten „Tanz der sieben Schleier“ abzulesen, dessen aufreizende erotische Wirkung praktisch ins Gegenteil verkehrt wird: Zuerst Salome selbst, dann ein Salome-Double, nützen die herrschaftliche Tafel des Herodes für allerhand „Gymnastik“, angedeutete Essstörungen und einen  nicht vollzogenen Selbstmord.

Des Herodes mondänes Esszimmer besitzt freilich noch eine Novität: Es liegt aus unerfindlichen Gründen über der Zisterne, in der Jochanaan sein Dasein fristet. Tomasz Konieczny gab wieder einen fanatischen Wüstenprediger, der sich lautstark mit dem Orchester duellierte. Seine Stimme besitzt nach wie vor unglaubliche Kraftreserven – vor allem auch wenn man bedenkt, dass er gerade den Holländer und den Jochanaan in zwei nahezu parallelen Aufführungsserien zu schmettern hat. Eine verführerische Facette ist bei Koniecznys Jochanaan allerdings kaum auszumachen, seine Stimme überzeugt vor allem durch kämpferische Askese.

Gerhard Siegel war ein stimmlich schon leicht grellfärbender Herodes, der hier in einem schwarzen Anzug steckt und dessen schillernde „Neurasthenie“ inszenierungsbedingt zu einer eindimensionalen Täterhistorie umfunktioniert wird. Siegel, der schon 2023 bei der Premiere dabei war, scheint sich nach meinem Eindruck davon inzwischen wohltuend emanzipiert zu haben, neben den „launigen“ Einwürfen von Herodias (Monika Bohinec) wurde zumindest bei ihm die „farbenprächtige“ Pointiertheit des Librettos greifbar. Daniel Jenz gab einen stimmfesten, in seinen Gefühlen akkuraten Narraboth, der Page von Isabel Signoret hätte sich mit mehr Leuchtkraft einbringen können. Die kleineren Nebenrollen zeugten wie immer von den gesanglichen „Höhen und Tiefen“ des Staatsopernensembles.

Auch das Orchester unter Sebastian Weigle vermied einen „schillernden Orientalismus“, näherte sich dem Werk nach meinem Eindruck mehr von seiten einer „Elektra“, wenig farbenprächtig, sondern mehr trocken im Klang, teilweise (zu) laut, von einer subkutanen Spannung getragen, die aber ihre Wirkung nicht verfehlt hat. Das Publikum spendete starken Schlussapplaus, etwa sieben Minuten, lang, neben Salome und Johanaan durften sich vor allem auch Orchester und Dirigent an starkem Beifall erfreuen.