ROSENKAVALIER
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Wiener Staatsoper
27. Mai 2017

Dirigent: Sascha Goetzel



Feldmarschallin - Linda Watson
Baron Ochs -
Peter Rose
Octavian -
Sophie Koch
Faninal - Jochen Schmeckenbecher
Sophie -
Daniela Fally
Leitmetzerin - Regine Hangler
Valzacchi -
Thomas Ebenstein
Annina -
Ulrike Helzel
Polizeikommissar - Alexandru Moisiuc
Haushofmeister bei der
Feldmarschallin - Wolfram Igor Derntl
Haushofmeister bei
Faninal - Bendikt Kobel
Notar - Marcus Pelz
Sänger- Joseph Dennis
Eine adelige Witwe - Anna Maria Birnbauer
Drei adelige Waisen - Jung-Won Han
Maria Gusenleitner, Dymfna Meijts
Modistin -
Lauren Michelle
Tierhändler - Thomas Köber
Wirt -
Herwig Pecoraro
V ier Lakaien: Jacek Krzyszkowski, Burkhard Höft,
Hiro Ijichi, Jens Musger
Vier Kellner - Wolfram Igor Derntl, Gottfried Stiftner,
Hacik Bayvertian, Karl Nebenführ
Leopold - Michael Kuchar
Hausknecht - Ion Tibrea
Ein kleiner Mohr - Kajetan Praxmarer


Rosenkavalier am Samstagabend
(Dominik Troger)

Vier „Rosenkavalier“-Vorstellungen hat die Wiener Staatsoper für die Saison 2016/17 angesetzt. Die Absage von Angela Denoke als Marschallin führte zu einem auf den ersten Blick überraschenden Rollendebüt am Haus: Linda Watson wechselte von der Brünnhilde zur Feldmarschallin.

Linda Watson hat die Partie aber schon sehr lange im Repertoire, an der Staatsoper hat sie bislang jedoch vor allem Wagner gesungen. Mit sehr guter Aussprache und einer auf die Strauss-Hoffmanntshal’sche Eloquenz fokussierten und auch in der Lautstärke „zurückgeschraubten“, sorgsam das dramatische Potenzial in Zaum haltenden Stimme, gestaltete Watson die Figur mit einer dezenten Noblesse und versah sie mit der erforderlichen Bühnenautorität.

Natürlich hat alles seine Zeit – und Watsons Feldmarschallin erlebte ihre Octavianliebe nicht mehr mit dem Ungestüm einer noch jungen Ehefrau, sondern sie galt diesmal schon mehr dem Festhalten geliebter Erinnerungen. Umso tiefer war im Finale die Endgültigkeit dieses Abschieds zu spüren, wenn die Feldmarschallin das Feld der Jugend überlässt. Gegenüber dieser Resignation wappnete sich Watson mit Würde und verlieh ihrer Rollendeutung einen unsentimentalen, mehr am Faktischen orientierten Zug.

Sophie Koch zählt immer noch zu den besten Octavian-Interpretinnen. Immerhin hat sie die Partie in Wien bereits über 20mal gesungen, Rollendebüt am Haus bereits 1999! Schon rein optisch ermöglicht ihre schlanke Figur den glaubhaften Wechsel zwischen den Geschlechtern. Außerdem spielt sie das Mariandl so, als hätte hier wirklich ein 17-jähriger jede Menge Spaß dabei, in Frauenkleider zu schlüpfen und den Ochs an der „Nase“ herumzuführen. Sie blieb die ganzen drei Akt lang dieser „Bub“ – aber durchaus mit Standesbewusstsein. Gesanglich steuerte Koch ihren eher hellen Mezzo mit Sorgfalt durch den Abend, den Gesangspart nicht immer bis zum letzten Überschwang auskostend.

Daniela Fally verdeutlichte als Sophie im Spiel mit einer leicht quirligen Unruhe, die Spannung zwischen neureicher Anpassung und doch etwas deftigerer Herkunft (am Verhalten ihres Vaters gemessen). Ihr Sopran klang bei guter Höhe stellenweise etwas schmal im üppig instrumentierten Orchesterrauschen. Fally hat bereits 2010 als Sophie im Haus am Ring debütiert. Jochen Schmeckenbecher steuerte einen überzeugenden Faninal bei.

Auch Peter Rose als Ochs gehört längst zum „Inventar“ Wiener „Rosenkavalier“-Aufführungen (Rollendebüt am Haus laut Online-Staatsopernarchiv im Jahr 2001). Rose, obwohl britischer Bass, hat sich das Hoffmannsthal’sche Wien schon sehr verinnerlicht. Sein Ochs wahrte bei allen triebhaften Anwandlungen die Balance zwischen adeliger Abkunft und einer gewissen „Ländlichkeit“, zog die Figur aber nie auf den Boden des „Ordinären“ hinab. Eine Portion Selbstironie verfeinerte das Rollenporträt dieses distinguierten Basses, wodurch die Figur dem Publikum gegenüber nie wirklich „unsympathisch“ wird. Stimmlich wirkte Rose an diesem Abend nicht sehr durchschlagend, sondern ein wenig auf Sparflamme gesetzt.

Das übrige Personal brachte die gewohnte Vielfalt auf die Bühne, vom markanten Valzacchi des Thomas Ebenstein bis zum wenig „schmelzreich“ klingenden, sich an der Partie des „Sängers“ abarbeitenden Tenor des Joseph Dennis (an diesem Abend Rollendebüt am Haus).

Sascha Goetzel gab mit dieser Aufführungsserie sein Wiener „Rosenkavalier“-Debüt. Der erste Akt geriet für meinen Geschmack eine Spur zu langatmig, insgesamt hätte der Abend mehr beschwingten Esprit und eine ausgetüfteltere Klangbalance gut vertragen. Der Schlussapplaus von gerade mal drei Minuten war auch ein Zeichen dafür, dass das Publikum um dreiviertel Elf (Beginn 18:30 Uhr) rasch nach Hause wollte.