ARIADNE AUF NAXOS
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Staatsoper
25.2.2026

Dirigent: Cornelius Meister

Der Haushofmeister - Bernhard Schir
Ein Musiklehrer - Jochen Schmeckenbecher
Der Komponist - Samantha Hankey
Der Tenor / Bacchus - Clay Hilley
Ein Offizier - Daniel Lökös
Ein Tanzmeister - Jörg Schneider
Perückenmacher - Wolfram Igor Derntl
Lakai - Marcus Pelz
Zerbinetta - Erin Morley
Die Primadonna / Ariadne - Anja Kampe
Harlekin - Stefan Astakhov
Scaramuccio - Andrea Giovannini
Truffaldin -Simonas Strazdas
Brighella - Hiroshi Amako
Najade - Florina Ilie
Dryade - Stephanie Maitland

Echo - Jenni Hietala


Kein Feinschmeckermenü
(Dominik Troger)

Der reichste Mann von Wien hat schon sublimere Genüsse serviert, als er mit dieser Vorstellung von „Ariadne auf Naxos“ seinen Gästen aufzutischen beliebte. (Berichtet wird von der dritten und letzten Vorstellung der aktuellen Aufführungsserie an der Staatsoper.)

Die „Vorspeise“, d.h. das „Vorspiel“, war noch ganz gut bestückt (den etwas langweiligen, in der soignierten Herablassenheit zu indifferenten und Pointen vernachlässigenden Haushofmeister von Bernhard Schir ausgenommen). Der seit Jahren hoch im Kurs stehende Musiklehrer von Jochen Schmeckenbecher hat sich wieder mit viel menschlicher Anteilnahme um seinen jungen Schüler gesorgt. Samantha Hankey ließ als Komponist einen leuchtenden, klangvollen Mezzo hören, kräftig in der Höhe, und mit viel jugendlichem Künstlerenthusiasmus und Sinn für die Strauss’schen Gefühlsausbrüche. Das öfter sich hinzugesellende schnelle Vibrato lag für meinen Geschmack (noch) im Rahmen. Der neue Tanzmeister von Jörg Schneider hat sich als pointierter Unterhalter erwiesen, hat mit seinem Tenor Witz und Gesang sehr gut vereint.

Die „Hauptspeise“ hat dann weniger gemundet, weil sich die Gäste gerne an den Spezialitäten eines in allen Geschmackkünsten erfahrenen „Fünf-Sterne-Kochs“ gelabt hätten. Welches Rezept hätte es dazu gebraucht? Julius Korngold hat es in seiner Besprechung formuliert, mit der er spaltenlang der Uraufführung der Zweitfassung der „Ariadne“ an der Hofoper im Jahre 1916 seinen kritischen Tribut gezollt hat. Er hat einen  „gesangsmelodischen Stil“ der „Oper“ diagnostiziert, der „weit mehr lyrisch als dramatisch geartet“ sei. (Neue Freie Presse, 5.10.1916).

Dafür müssten dann aber die passenden künstlerische Kräfte zur Verfügung stehen. Bei der Primadonna von Anja Kampe beispielsweise hätte die bekannte und treffliche Wagner-Sängerin nicht so deutlich durchschlagen sollen. Kampe hat an der Staatsoper erst in der letzten Saison als packende Ortrud und als Brünnhilde reüssiert, für die lyrisch-pathetische „Inseltrauer“ der Ariadne ist es ihr nur bedingt gelungen die Stimme dementsprechend zu adaptieren. Dabei hat Kampe durchaus ein Gespür für die lyrische Pathetik des Bühnencharakters durchschimmern lassen, aber ihr ausladender, feinsinniger Rührung entwöhnter Sopran hat Ariadnes „Melancholie“ nicht mehr sorgsam auf die Strauss’sche-Melodie zu betten vermocht. Das war viel zu grob „gesponnen“, passte  aber bestens zum Bacchus von Clay Hilley (wie Kampe mit Rollendebüt an der Staatsoper.)

Clay Hilley hat seinen ebenfalls an Wagner geschulten Tenor mehr „deklamatorisch“ als „gesanglich“ ins Feld geführt. Auch beim Bacchus war es also nichts mit dem „gesangsmelodischen Stil“. Hilleys Organ ist allerdings von Haus aus etwas
strenger Natur, ein teils mit kühl-metallischer Sprödheit „mineralisierter“ Tenor, der sich sein „Heldentum“ über Kraft erwirbt und eine raumfüllende Höhe. So bezwingt er attackierend und forsch das Publikum und lässt zu viel an Nuancen und tenoraler Sinnlichkeit vermissen.

Erin Morley hat die Zerbinetta bereits vor einigen Jahren in Wien gesungen, ihre Stimme ist seither nicht größer geworden, aber der leicht „soubrettige“ Charme ihres Soprans hat sich etwas abgeschliffen. Morley hat die Keckheit Zerbinettas im Spiel gut visualisiert. Gesanglich blieb es das Stück Arbeit, das dem Virtuosen anhängt wie eine zu schwere Schnur, die verhinderte, dass dieser bunte
Luftballon voller Koloraturen zu den Wolken entschwebt.

Ein „Fünf-Sterne-Koch“ würde außerdem die „Beilagen“ raffinierter abschmecken, aber inzwischen fehlt es dem Staatsopernensemble ein wenig am ausreichenden Vorrat exquisiter Gewürze. Schon eine Nymphe, schon ein schmalspuriger Komödiant kann den Gesamteindruck merklich trüben. Das Orchester unter Cornelius Meister spielte laut und sängerdeckend, hat sein Menü auch mehr „zweckmäßig“ als „delikat“ zubereitet. Das war kein Strauss für Feinschmecker.

Die Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf stammt aus dem Jahr 2012 und darf als bekannt vorausgesetzt werden. Der Schlussapplaus lag wieder bei rund sechs Minuten. Die Künstler wurden eifrig mit Applaus bedacht.