TOSCA

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Staatsoper
5.10.2026

Dirigent: Giampaolo Bisanti

Floria Tosca - Malin Byström
Mario Cavaradossi - Jonathan Tetelman
Scarpia - Ambrogio Maestri
Cesare Angelotti - Leonardo Neiva
Der Mesner - Dan Paul Dumitrescu
Spoletta - Andrea Giovannini
Sciarrone - Hans Peter Kammerer
Schließer - Evgeny Solodovnikov

Ein Hirt - Alisa Mazatova


„Tenorale Muskel“

(Dominik Troger)

Die letzte von drei „Tosca“-Vorstellungen an der Staatsoper sorgte für sehr gemischte Eindrücke: Cavardossi ließ seine tenoralen Muskeln spielen, Scarpia schien sich nicht so recht zwischen Abendessen und Sex mit Tosca entscheiden zu können – und Tosca hörte man die Mühen an, die ihr die Partie bereitete.

Jonathan Tetelman wurde vor Beginn der Aufführung angesagt. (Die zweite Vorstellung hatte er krankheitsbedingt absagen müssen. Saimir Pirgu war eingesprungen und hat damit sein Wiener Rollendebüt als Cavaradossi gegeben). Tetelman begann etwas vorsichtig, drückte erst im Laufe des ersten Aktes immer stärker aufs tenorale „Gaspedal“ und das „La vita mi costasse, vi salverò!“ wurde gleich zum „Test“ fürs „Vittoria“ genützt.

Tetelman ist als Cavaradossi bereits 2022 im Theater an der Wien angetreten, in diesem szenischen „Tosca“-Dekonstrukt von Martin Kušej. Es beruhigte zu hören, dass sich der Sänger trotz intensiver Karriere seine „Verismopower“ ohne Abstriche bewahrt hat. Tetelmans raumflutende Fortetöne erinnern an große, längst in die Ewigkeit entschwundene tenorale Vorbilder. Die verflachende Mittellage kann nicht ganz mithalten, auch das Timbre braucht etwas „Druck“, um sich mit diesem aufgeschmolzenen Metall zu schmücken, das der Stimme ihre Individualität aufprägt.

Ein ausgewiesener Stilist ist hier nicht am Werk, aber ein Sänger, der mit Risikobereitschaft und opernaffiner Emotion agiert, und der sich auf den durchschlagenden Effekt seines tenoralen Bizeps verlassen kann. Dazu gesellen sich eine einnehmende, groß gewachsene Bühnenerscheinung und eine leichte Ironie, die im Spiel das Tändeln mit Tosca im ersten Akt glaubwürdig mit der liebenden Leichtfertigkeit eines Künstlers untermalt. Tetelmann hat bereits im September 2025 die Partie an der Staatsoper gesungen, darunter auch in jener Vorstellung, als der zweite Akt wegen Problemen bei der Bühnentechnik nur vor dem Vorhang gegeben werden konnte.

Toscas „Mario“-Rufe verhießen nichts Gutes, aber Malin Byström (Wiener Rollendebüt in dieser Aufführungsserie) gelang es nach und nach, ihren im Liebeständeln mit Cavaradossi noch sehr inhomogen klingenden Sopran einigermaßen zu konsolidieren. Aber zu einem glanzvollen „Tosca“-Porträt vermochte sie sich auch in den beiden folgenden Akten nicht aufzuschwingen. Ihre stimmlichen Ressourcen schienen für die Tosca an diesem Abend zu stark überdehnt, spröde, in der Höhe scharf, in der Tiefe nur mehr schwach ausgebildet. Das „Vissi d’arte“ sang sie auf dem Rücken liegend, vor der Chaiselongue, zu der sie Scarpia in böser Absicht hatte „abschleppen“ wollen – was darstellerisch einen einigermaßen „aufgesetzten“ Eindruck  hinterließ. Scarpia wurde von ihr effektvoll mit zwei kräftigen Messerstichen gemeuchelt, der Mantel wurde an diesem Abend wieder  passend geworfen.

Ambrogio Maestri, in der ersten Vorstellung noch wegen überstandener Erkankung angesagt, blieb dem Scarpia viel an bösartiger Energie schuldig: Er schien sich im zweiten Akt vor allem seinem Abendessen widmen zu wollen. Während des „Vissi d’arte“, dem er in seinem bequemen Stuhl beim Eßtischchen sitzend lauschte, quälte mich schon die Befürchtung, er könnte seine Ermordung verpassen. Einige Male ließ er seinen Bariton effektvoll erschallen – und das musste dem Publikum an diesem Abend genügen.

Die übrige Besetzung wurde in positivem Sinne von Leonardo Neiva  als Angelotti angeführt. Spoletta und Sciarrone boten ihr stimmlich wieder viel zu treffend artikuliertes Schergenporträt. Dan Paul Dumistrecus Beiträge sind auch als Mesner inzwischen stark von der stimmlichen Tagesform abhängig. Der Hirt hatte keinen guten Tag.

Immerhin war da noch Giampaolo Bisanti am Pult des Staatsopernorchesters, der geruhsam, aber trotzdem stimmig, für ausreichendes „Tosca“-Feeling sorgte. Beim Schlussbeifall im wieder sehr stark von Touristen bevölkerten Haus gab es sogar einen kräftigen Buhruf, der Tosca galt.