TOSCA

Aktuelle Spielpläne
Forum
Opernführer
Chronik
Home
Puccini-Portal

Staatsoper
12.4.2026

Dirigent: Daniel Oren

Floria Tosca - Anna Netrebko
Mario Cavaradossi - Ivan Gyngazov
Scarpia - Christopher Maltman
Cesare Angelotti - Clemens Unterreiner
Der Mesner - Dan Paul Dumitrescu
Spoletta - Devin Eatmon
Sciarrone - Hans Peter Kammerer
Schließer - Dohon Lee

Ein Hirt - Adrian Weinzettl


„Tosca gibt den Ton an“

(Dominik Troger)

Anna Netrebko beherrschte die erste von vier angesetzten „Tosca“-Vorstellungen im Haus am Ring mit üppigem Sopran und starker Bühnenpräsenz.

Ihre erste Wiener Tosca hat Anna Netrebko bereits vor fünfeinhalb Jahren gesungen – wegen coronapandemischer Maßnahmen vor leeren Sitzreihen in einer für das Publikum gesperrten Staatsoper. Diese Aufführung wurde am 13. Dezember 2020 gestreamt. Schon damals haben ihr Auftreten und ihr dunkler, breiter Sopran die Figur mit starker Bühnenpräsenz versehen – und ihr Sopran ist seither noch eine Spur breiter geworden, fließt wie dunkelrotgoldene Ölfarbe durch die Partitur und ebnet die Nuancen ein. Diese Tosca hat Saft und Kraft. Sie  verhandelt mit dem bösen Baron gleichsam „auf Augenhöhe“ und dessen Nachstellungen versickern ein wenig in dieser satten, kämpferischen „Tosca-Melodie“.

Netrebkos Tosca ist außerdem keine Tosca, die sich in eine leidende „Opferrolle“ drängen lässt. Zwar zaubern im Finale des „Vissi d’arte“ einige (über)lang gehaltene, in guttural-rotweintimbrigen Flausch gepackte Töne doch so etwas wie lyrische Betroffenheit ins Auditorium – und Netrebko gewinnt das Publikum quasi im Handstreich für sich – aber es bleibt insgesamt kaum Raum für psychologische Raffinesse. Der Tod ihres Geliebten im dritten Akt reißt ihr heroisch das „Herz“ aus dem Leib – und schon nahen sich die Häscher. Netrebko ließ bei ihrem Abgang den Mantel „links“ liegen und kümmerte sich erst gar nicht um die Schlusschoreographie (Mantelwurf auf der Treppe etc.).

Die Mitstreiter auf der Bühnen haben Tosca kaum aus der Reserve gelockt. Am ehesten ist es noch Christopher Maltman als Scarpia gelungen, sich mit Netrebko zu messen. Er wurde ab der Mitte des zweiten Aufzugs allerdings von einem (zumindest auf bühnennahen Plätzen) deutlich hörbaren Husten geplagt. Maltman verlieh dem Scarpia eine elegante aristokratische Note, ohne dabei besonders „hintergründig“ zu wirken (von einer „faunesken“ Leidenschaftlichkeit kann ohnehin keine Rede sein). Der Gesamteindruck blieb etwas flach, zu vordergründig seriös, um die perfiden Abgründe dieser Figur aufzuzeigen. Im „Te Deum“ verfügte die Stimme über ausreichendes Durchsetzungsvermögen, letztlich dürfte Maltman aber froh gewesen sein, die Vorstellung ohne stimmliche „Blessuren“ überstanden zu haben.

Toscas Geliebten Mario erweckte Ivan Gyngazov (wie Maltman Rollendebüt am Haus) zu einem darstellerisch zu hölzernen Bühnenleben. Sein leicht gekörnter, in der Mittellage weniger gut tragender, etwas spröd klingender slawischer Spintotenor, machte vor allem mit kraftvoll ausgesungenen, metallischen Spitzentönen Eindruck. Für das (aus meiner Sicht) wenig klangschön vorgetragene „Recondita armonia“ erntete er gleich Applaus sowie ein, zwei wohlwollende Bravorufe, gleichsam als großzügige „Anzahlung“, die dann von ihm aber nicht so recht eingelöst wurde.

In bisserl widerspenstig gab sich die Bühne: Tosca musste kräftig pusten, um besonders gut brennende Kerzen auf Scarpias Esstischleuchte auszublasen, die sich erfolgreich gegen das Ausdämpfen gewehrt hatten. Scarpia hat en passant versucht den großen, dekorativen Teppich zu glätten, der etwas in Unordnung geraten war. Sonst stolpern er oder Tosca noch darüber, wenn sie ihm den tödlichen Messerstich versetzt – und Netrebko hat mit wuchtigem Schwung zugestochen.

Daniel Oren ist nach fast dreißig Jahren ans Pult des Staatsopernorchesters zurückgekehrt, ohne sich dabei besonders „spektakulär“ in Erinnerung zu rufen. Mit eher trägem Tempo hat er sich womöglich zu stark an der „Sopranbreite“ der Diva orientiert. Zum dritten Akt wurde er mit drei, vier Buhrufen empfangen, die einen mindestens so unangemessenen Eindruck hinterließen wie das erwähnten Bravo nach dem „Recondita armonia“. Der starke Schlussapplaus (Netrebko!) brachte es auf rund zehn, elf Minuten (ein paar Buhrufe, die den Dirigenten ins Visier nahmen, waren auch noch hineingemischt)
.