„Papageno for ever“
(Dominik Troger)
Die
Saison 2025/26 nähert sich ihrem Ende. An der Staatsoper hat man
tourismusaffin noch eine „Zauberflöten“-Serie angesetzt – und viel
schiefgehen kann dabei ohnehin nicht. Papageno gewinnt immer,
artikuliert er doch drei ganz wesentliche Grundbedürfnisse menschlichen
Daseins: Essen, Trinken, Lieben.
Mit Michael Nagl hat
die Staatsoper jetzt einen jungen Papageno an der Hand, der die
drei Säulen des vogelfängerischen Wohllebens mit naiver Herzlichkeit
und dezent bodenständigem Spielwitz zu vermitteln weiß. Nagls Papageno
ist keiner von den polternd schmähführenden Vogelfängern, sein
leichtgängiger Bassbariton besitzt eine natürliche Sinnlichkeit,
die auch den melancholischen Romantiker zu wecken weiß. Und zu
dieser „Romantik“ gesellt sich die unverstellte Schüchternheit eines
jungen Burschen, der noch nicht viel von der Welt gesehen hat: Papageno
erlebt zusammen mit Tamino das erste große Abenteuer seines Lebens –
und das Publikum erfreut sich an dieser unbekümmerten,
lebensneugierigen Frische.
Auch für die von Papageno so ersehnte Liebe wurde an diesem Abend passend gesorgt: Ilia Staple
war ein quirlige, gewitzte Papagena. Sie und Papageno haben das
Publikum nicht nur mit einem auch darstellerisch schwungvoll
ausgekosteten „Pa-Pa-Pa“ begeistert. Die Inszenierung hätte zwar mehr
aus dieser Handlungsebene herausholen können, aber sie lässt Papageno
und Papageno zumindest ausreichend Freiraum, und desavouiert die beiden nicht,
so wie es das Regieteam um Barbora Horákova mit Sarastro und den
Eingeweihten gehandhabt hat.
Hier liegt nämlich der große Bruch in dieser Neuproduktion aus dem Jahr
2025, die die „Zauberflöte“ eigentlich zu einer „Lost
Place“-Gruselstory umfunktionieren möchte: Sarastro ist „böse“ und ein
„Spötter“ noch dazu. Er ist „Führer“ der Eingeweihten, die als
karottenknabbernder, faschistoider Männerclub vorgeführt werden (die
Phallussymbolik des orangen Gemüses ist wahrscheinlich mitgedacht).
Doch diese „Verstörungsdosis“ wird glücklicherweise dann doch zu
zaghaft verabreicht, um einem international bunt durchgemischten
Publikum seine erwartungsvolle „Zauberflöten“-Freude so richtig
auszutreiben zu können.
In den „sauren Apfel“ muss vor allem der Sänger des Sarastro beißen,
der sich mit einem derart anzweifelbar gezeichneten Charakter
herumschlagen darf. Günther Groissböck
hat den Sarastro für die ersten Vorstellung kurzfristig absagen müssen
(Einspringer: Ante Jerkunica), stand für die zweite Aufführung aber
wieder bereit. Er schien einige Vorsicht walten zu lassen und vermied es,
seinen nüchtern klingenden, offenbar nicht in Bestform befindlichen Bass zu forcieren.
Jessica Pratt kommt als
Königin der Nacht in dieser „Zauberflöten“-Serie zu ihren ersten
Auftritten in einer tragenden Partie im Haus am Ring. Gemessen am
überraschend leise und zurückhaltend dargebotenen „O zittre nicht“ schien die Stimme nicht sehr groß zu sein. „Der Hölle Rache“
kochte dann etwas wirkungsvoller auf und erhielt den stärksten
Szenenapplaus der Vorstellung. Ihr Sopran zeigte sich in Summe
ausreichend agil, allerdings bei wenig Tiefe. Die Sängerin ist derzeit
international vor allem für die großen Belcanto-Rollen nachgefragt, und
es wäre spannend gewesen, sie auch in Wien in einer solchen hören zu
können.
Pavol Bresliks Tamino
reüssierte dort, wo er schon in kräftigeren Farben malen konnte, für
die Bildnisarie hatte sein Tenor zu viel Metall, und zu wenig Schmelz.
Deren lyrisch-geschmeidige Emotionalität machte ihm Mühe und er musste
sich vor allem die Höhe mehr erzwingen als ersingen. Florina Ilies Pamina klang etwas schmal, zu wenig aufblühend und „herzwärmend“. Matthäus Schmidlechner sang einen gepflegten Monostatos, ohne „Vorstadttheater-Grellheit“.
Adrian Eröd war ein sehr
präsenter Sprecher, mit feiner Ironie und Überheblichkeit ausgestattet.
Seitens der Regie hat man der Figur eine riesige
„Knusperhexen“-Nase verpasst, wahrscheinlich als Symbol für den
„deformierten“ Charakter der Eingeweihten. Jenni Hietala, Alma Neuhaus und Stephanie Maitland gaben die reschen drei Damen, drei Knaben samt Chor rundeten diese recht zügig absolvierte Repertoirevorstellung.
Denn Ivor Bolton ließ
flott
spielen, die Aufführung war bereits kurz vor zehn Uhr zu Ende. In der
Ouvertüre hat er dem unter seiner Leitung seltsam verzögert wirkenden
Adagio ein
rasantes Allegro folgen lassen, das der Musik alle „Feierlichkeit“
ausgetrieben hat. Diese auch im Klang mehr trockene, rasche „Gangart“
war
dann für die restlichen drei Stunden (inklusive einer Pause)
bestimmend. Der Schlussapplaus des dankbaren Publikums brachte es auf
rund
sieben Minuten.
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