DIE ZAUBERFLÖTE
Aktuelle Spielpläne
Forum
Opernführer
Chronik
Home
Mozart-Portal

Staatsoper
24. Juni 2026

Dirigent: Ivor Bolton

Sarastro - Günther Groissböck
Königin der Nacht - Jessica Pratt
Tamino - Pavol Breslik
Pamina - Florina Ilie
Papageno - Michael Nagl
Papagena - Ilia Staple
Der Sprecher - Adrian Eröd

Monostatos - Matthäus Schmidlechner
Erste Dame - Jenni Hietala
Zweite Dame - Alma Neuhaus
Dritte Dame - Stephanie Maitland
Erster Priester - Adrian Autard
Erster Geharnischter - Devin Eatmon
Zweiter Geharnischter - Evgeny Solodovnikov
Die drei Knaben - Dominik Baumgartner, Nils Ressler, Elias Pakla

Papageno for ever
(Dominik Troger)

Die Saison 2025/26 nähert sich ihrem Ende. An der Staatsoper hat man tourismusaffin noch eine „Zauberflöten“-Serie angesetzt – und viel schiefgehen kann dabei ohnehin nicht. Papageno gewinnt immer, artikuliert er doch drei ganz wesentliche Grundbedürfnisse menschlichen Daseins: Essen, Trinken, Lieben.

Mit Michael Nagl hat die Staatsoper jetzt einen jungen Papageno  an der Hand, der die drei Säulen des vogelfängerischen Wohllebens mit naiver Herzlichkeit und dezent bodenständigem Spielwitz zu vermitteln weiß. Nagls Papageno ist keiner von den polternd schmähführenden Vogelfängern, sein leichtgängiger Bassbariton besitzt eine natürliche Sinnlichkeit, die  auch den melancholischen Romantiker zu wecken weiß. Und zu dieser „Romantik“ gesellt sich die unverstellte Schüchternheit eines jungen Burschen, der noch nicht viel von der Welt gesehen hat: Papageno erlebt zusammen mit Tamino das erste große Abenteuer seines Lebens – und das Publikum erfreut sich an dieser unbekümmerten, lebensneugierigen Frische.

Auch für die von Papageno so ersehnte Liebe wurde an diesem Abend passend gesorgt: Ilia Staple war ein quirlige, gewitzte Papagena. Sie und Papageno haben das Publikum nicht nur mit einem auch darstellerisch schwungvoll ausgekosteten „Pa-Pa-Pa“ begeistert. Die Inszenierung hätte zwar mehr aus dieser Handlungsebene herausholen können, aber sie lässt Papageno und Papageno zumindest ausreichend Freiraum, und desavouiert die beiden nicht, so wie es das Regieteam um Barbora Horákova mit Sarastro und den Eingeweihten gehandhabt hat.

Hier liegt nämlich der große Bruch in dieser Neuproduktion aus dem Jahr 2025, die die „Zauberflöte“ eigentlich zu einer „Lost Place“-Gruselstory umfunktionieren möchte: Sarastro ist „böse“ und ein „Spötter“ noch dazu. Er ist „Führer“ der Eingeweihten, die als karottenknabbernder, faschistoider Männerclub vorgeführt werden (die Phallussymbolik des orangen Gemüses ist wahrscheinlich mitgedacht). Doch diese „Verstörungsdosis“ wird glücklicherweise dann doch zu zaghaft verabreicht, um einem international bunt durchgemischten Publikum seine erwartungsvolle „Zauberflöten“-Freude so richtig auszutreiben zu können.

In den „sauren Apfel“ muss vor allem der Sänger des Sarastro beißen, der sich mit einem derart anzweifelbar gezeichneten Charakter herumschlagen darf. Günther Groissböck hat den Sarastro für die ersten Vorstellung kurzfristig absagen müssen (Einspringer: Ante Jerkunica), stand für die zweite Aufführung aber wieder bereit. Er schien einige Vorsicht walten zu lassen und vermied es, seinen nüchtern klingenden, offenbar nicht in Bestform befindlichen Bass zu forcieren.

Jessica Pratt kommt als Königin der Nacht in dieser „Zauberflöten“-Serie zu ihren ersten Auftritten in einer tragenden Partie im Haus am Ring. Gemessen am überraschend leise und zurückhaltend dargebotenen „O zittre nicht“  schien die Stimme nicht sehr groß zu sein.
Der Hölle Rache“ kochte dann etwas wirkungsvoller auf und erhielt den stärksten Szenenapplaus der Vorstellung. Ihr Sopran zeigte sich in Summe ausreichend agil, allerdings bei wenig Tiefe. Die Sängerin ist derzeit international vor allem für die großen Belcanto-Rollen nachgefragt, und es wäre spannend gewesen, sie auch in Wien in einer solchen hören zu können.

Pavol Bresliks Tamino reüssierte dort, wo er schon in kräftigeren Farben malen konnte, für die Bildnisarie hatte sein Tenor zu viel Metall, und zu wenig Schmelz. Deren lyrisch-geschmeidige Emotionalität machte ihm Mühe und er musste sich vor allem die Höhe mehr erzwingen als ersingen. Florina Ilies Pamina klang etwas schmal,  zu wenig aufblühend und „herzwärmend“.  Matthäus Schmidlechner sang einen gepflegten Monostatos, ohne „Vorstadttheater-Grellheit“.

Adrian Eröd war ein sehr präsenter Sprecher, mit feiner Ironie und Überheblichkeit ausgestattet. Seitens der Regie hat man der Figur eine riesige „Knusperhexen“-Nase verpasst, wahrscheinlich als Symbol für den „deformierten“ Charakter der Eingeweihten. Jenni Hietala, Alma Neuhaus und Stephanie Maitland gaben die reschen drei Damen, drei Knaben samt Chor rundeten diese recht zügig absolvierte Repertoirevorstellung.

Denn Ivor Bolton ließ flott spielen, die Aufführung war bereits kurz vor zehn Uhr zu Ende. In der Ouvertüre hat er dem unter seiner Leitung seltsam verzögert wirkenden Adagio ein rasantes Allegro folgen lassen, das der Musik alle „Feierlichkeit“ ausgetrieben hat. Diese auch im Klang mehr trockene, rasche „Gangart“ war dann für die restlichen drei Stunden (inklusive einer Pause) bestimmend. Der Schlussapplaus des dankbaren Publikums brachte es auf rund sieben Minuten.