LA CLEMENZA DI TITO
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Volksopernstudio im MuTH
8. Mai 2026
Premiere
Produktion des Opernstudios der Volksoper Wien, arrangierte Fassung

Musikalische Leitung: Michael Papadopoulos

Regie: Maurice Lenhard
Bühnebild und Kostüme: Christina Geiger
Licht: Stefan Pfeistlinger
Musikalisches Arrangement: Ricardo V. Ross

Tito - Seiyoung Kim
Vitellia - Mira Alkhovik
Servilia - Chelsea Guo
Sesto - Camila Aguilera
Yáñez
Annio - Aleksandra
Dimić
Publio - Smelo Mahlangu


Römische Minze
(Dominik Troger)

Dieser „Titus“ schmeckte nach Pfefferminze, aber nur sehr dezent. Das Opernstudio an der Wiener Volksoper hat sich für zwei Abende im MuTH einquartiert, um dort Wolfgang Amadeus Mozarts „La clemeza di Tito“ in einer adaptierten Fassung aufzuführen.

Laut der Modezeitschrift „Vogue“ ist Mintgrün die trendige Modefarbe im Frühjahr und Sommer 2026. Das Opernstudio der Volksoper befindet sich damit also am Pulsschlag der Zeit. Von den Kostümen bis zum Design der Möbel und dem Bodenbelag: ein softiger Farbton von Minze lag über der Szene dieses „Titus“ und umgab das praktikable, mit klassizistischen Anflügen designte Wohnzimmerbüro im Herrscherpalast sowie seine Bewohner mit einem sanften Hauch von Spearmint-Drops.

Dass sich dahinter aber eine vintagemäßige Anspielung auf die 1980er-Jahre verbirgt, erläutert das Programmheft: Denn die Ausstattung (Christina Geiger) würde in ihrer Ästhetik viele Bezüge zu den USA jener Jahre zeigen
– nämlich zur Zeit der Präsidentschaft Ronald Reagens, die von Maurice Lenhard, dem Regisseurs dieser Produktion, als Wegbereiter für das Erscheinungsbild des Populismus heutigen Zuschnitts verstanden wird. Ist also Ronald Reagen der neue „Titus“?

Auf solche „direkten“ Querbezüge hat sich die Inszenierung dann doch nicht eingelassen. Titus erscheint als Herrscher in einem autokratischen System, mit Anflügen von fernöstlicher Massenagitation: ein Herrscher, den die Propaganda zum guten Herrscher macht und der seine Milde als Machtinstrument benützt. Wenn er am Schluss allen an der Verschwörung Beteiligten und Nicht-Beteiligten eine elektronische Fußfessel verordnet, dann wird zumindest deutlich, dass sich dieser ausgefuchste Titus nicht ganz auf die anzweifelbare Wirkungsmacht seiner „Milde“ verlässt.

Die gespielte Fassung hatte einige Besonderheiten: Sie wurde von Ricardo Vendramin Ross musikalisch neu in einer reduzierten, schon ziemlich „abgespeckt“ klingenden Orchesterbesetzung (nur neun Musiker) arrangiert, erweitert um elektronisches
Sounddesign. Dieses Sounddesign war eigentlich entbehrlich, bewahrte aber zumindest weitgehend das Augenmaß. Besser wär es gewesen, man hätte dem Orchester noch ein paar Musiker spendiert. (So klein ist der Orchestergraben im MuTH auch wieder nicht.) Es gab keinen Chor. Es wurden aktualisierte deutsche Dialoge verwendet mit denen der Regisseur seine Idee vom „Opern-Politthriller“ stützen wollte. Gesungen wurde in italienischer Sprache und die Aufführungsdauer lag wegen der gekürzten Fassung inklusive einer Pause und Schlussapplaus knapp unter zwei Stunden.

Ein „Thriller“ war es dann aber doch nicht – auch wenn sich die jungen Sängerinnen und Sänger mit viel Leidenschaft in die römische Hofintrige eingebracht haben. Gesanglich ist es eher zu einem „das können wir auch“ und nicht zu einem „das können wir am besten“ geworden. (Insofern steht auch die Frage im Raum, warum für die Abschlussproduktion dieses Opernstudio-Jahrgangs gerade „La clemeza di Tito“ ausgewählt wurde.)

Im Zentrum stand der Titus vom Seiyoung Kim, der die Herrscherfigur mit einem unaufdringlichen, freundlichen Lächeln versah, einem „Marketing-Lächeln“, das Machtkalkül als verbindliche Freundlichkeit tarnte. Darstellerisch war das überzeugend, hat in der Wirkung seines hintertriebenen Kalküls wahrscheinlich  auch vom kleineren Rahmen des MuTH profitiert. Sein Tenor ist eher von festem, nüchternem Naturell und der metallische Glanz noch nicht so aufgefirnt, dass er dem Titus viel Mozart’sche Wärme hätte angedeihen lassen. (Als Titus nach der Pause im Zorn ein paar seiner interieurschmückenden Porträtbilder von der Wand riss, landete in der Hitze des Gefechtes eines im Orchestergraben.)

Als intrigante Vitellia ließ Mira Alkhovik mit warmem Sopran aufhorchen, allerdings mit einer Tendenz zu forcierten, an Klangqualität einbüßenden Spitzentönen. (Das Rondo hatte man gestrichen.) Mit leicht dunkel timbriertem Mezzo stellte sich der Sesto von Camila Aguilera Yáñez vor – die innere Zerrissenheit der Figur gut zur Geltung bringend. Gesanglich fehlte noch ein bisschen der große, ausgestalterische Bogen; das Publikum zeigte sich berührt und spendete ihr nach den beiden Arien den stärksten Szenenapplaus.

Der Annio von Aleksandra Dimić stellte sich mit angenehm timbrierten Mezzo ein. D
ie Servilia wurde von Chelsea Guo mit präsentem Sopran verkörpert. Smelo Mahlangu gab als Publio den Sicherheitschef und sein Bassabariton hat das auch mit einer kerniger Devotheit Tito gegenüber vermittelt. Als musikalischer Leiter dieser „Titus“-Adaption fungierte Michael Papadopoulos. Das Publikum spendete am Schluss den Ausführenden dankbaren Beifall. Das MuTH war am Premierenabend gut besucht, aber nicht ausverkauft.