IDOMENEO

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Staatsoper
19. Jänner 2026

Musikalische Leitung: Bertrand de Billy

Idomeneo - Bernard Richter
Idamante - Kate Lindsey
Ilia - Ying Fang
Elettra - Eleonora Buratto
Arbace - Hiroshi Amako
Oberpriester - Carlos Osuna
Orkalstimme - Ivo Stanchev

Zwei Kreterinnen: Irina Vekszler, Alena Temesiová
Zwei Trojaner / zwei Kreter: Oleg Zalytskiy, Panajotis Pratsos


Flaute in Kreta

(Dominik Troger)

An der Staatsoper hat man sich nach sieben Jahren wieder an Mozarts „Idomeneo“ erinnert. Die zweite von vier Vorstellungen schleppte sich aber dahin, als würde die von Troja heimkehrende Flotte der Griechen von Flaute zu Flaute dümpeln.

Viel los war in Kreta nicht an diesem Abend, weder szenisch noch musikalisch. Die aus dem Jahr 2014 stammende Inszenierung von Kaspar Holten ist für sich allein schon eine Stehpartie, in der sich Rezitative und Arien über weite Strecken wie zusammenhanglos aneinanderreihen. Wenn dann auch noch Mozarts musikalische Energien weitgehend ohne Widerhall bleiben, kann einem sogar diese „Sturm-und-Drang-Oper“ des weltgeliebten Meisters aus Salzburg sehr lange werden.

Es ist ohnehin hinterfragenswert, warum für diese Wiederaufnahme nicht ein wenig an der im Haus am Ring gebotenen Mischkulanz aus Münchner- und Wiener-Fassung gefeilt wurde. Man hätte zum Beispiel dem Idamante das Rondo „Non temer, amato bene“ ersparen können, das durch die Violinbegleitung zwar sehr hübsch anzuhören ist, aber nur dann, wenn der gesangliche Vortrag nicht die Mühen offenbart, die er erfordert. Idomeneo hätte mit der einfacheren Fassung des „Fuor del mar“ wahrscheinlich einen günstigeren Eindruck hinterlassen. Und wären dann noch Ilias „Zeffiretti lusinghieri” wieder zurück in den dritten Akt verschoben worden, hätte sich zweite Akt insgesamt dramaturgisch konsistenter gezeigt.

Die szenische „Flaute”, der die Szene Vorschub leistet, gähnte allerdings auch aus dem Orchestergraben: ein über weite Strecken einförmiges, im Tempo meist träges Musizieren, ohne die
Gefühlszustände akzentuiert auszuformulieren, die Mozart seinem „Idomeneo“ verordnet hat. Nicht einmal Elettras finale Wut ist unter die Haut gegangen: Ihr „Furioso” wirkte fast so belanglos wie die paar harmlosen „Don-Juan-Teufelchen”, zu denen sie sich dann inszenierungsbedingt in einer flachen Bühnensenke kuscheln muss und zu denen sich seltsamer Weise auch der des Amtes enthobene Idomeneo begeben wird. Nur die paar Chorpassagen wurden zum weckenden „Rettungsanker”, in denen noch etwas von der Dramatik dieser Oper spürbar wurde.

Die Besetzung war nicht  „ideal“, aber es hätte
wie angesprochen Möglichkeiten gegeben, den Eindruck zu verbessern. Bernard Richter gab einen glanzlosen Idomeneo, zu schwerfällig im Anbringen des gesanglichen Verzierungswerks. Kate Lindsey konnte mit ihrem nüchternen, teils belegt und insgesamt für Mozart recht fahl klingenden Mezzo dem Idamante gesanglich kaum Plastizität verleihen und je länger die Arien, um so mehr schien Lindsey damit beschäftigt, zumindest „über die Runden“ zu kommen. Ying Fang hat der Ilia in den „Zeffiretti lusinghieri” zwar ein paar fein kolorierte Koloraturen geschenkt, aber insgesamt klang mir ihr Sopran zu zart und in den Emotionen zu blass. In ihrer Wirkung blieb auch Eleonora Burattos Elettra hinter den Möglichkeiten dieser Partie zurück. Was dann noch an Nebenrollen zu hören war, passte zum Gesamteindruck. Die Länge des Schlussapplauses lag bei rund sechs, sieben Minuten.