„Flaute in Kreta“
(Dominik Troger)
An
der Staatsoper hat man sich nach sieben Jahren wieder an Mozarts
„Idomeneo“ erinnert. Die zweite von vier Vorstellungen schleppte sich
aber dahin, als würde die von Troja heimkehrende Flotte der Griechen
von Flaute zu Flaute dümpeln.
Viel
los war in Kreta nicht an diesem Abend, weder szenisch noch
musikalisch. Die aus dem Jahr 2014 stammende Inszenierung von Kaspar
Holten ist für sich allein schon eine Stehpartie, in der sich
Rezitative und Arien über weite Strecken wie zusammenhanglos
aneinanderreihen. Wenn dann auch noch Mozarts musikalische Energien
weitgehend ohne Widerhall bleiben, kann einem sogar diese
„Sturm-und-Drang-Oper“ des weltgeliebten Meisters aus Salzburg sehr
lange werden.
Es ist ohnehin hinterfragenswert, warum für diese Wiederaufnahme nicht
ein wenig an der im Haus am Ring gebotenen Mischkulanz aus Münchner- und
Wiener-Fassung gefeilt wurde. Man hätte zum Beispiel dem Idamante das
Rondo „Non temer, amato bene“
ersparen können, das durch die Violinbegleitung zwar sehr hübsch
anzuhören ist, aber nur dann, wenn der gesangliche Vortrag nicht die
Mühen offenbart, die er erfordert. Idomeneo hätte mit der einfacheren Fassung des „Fuor del mar“ wahrscheinlich einen günstigeren Eindruck hinterlassen. Und wären dann noch Ilias „Zeffiretti lusinghieri” wieder zurück in den dritten Akt verschoben worden, hätte sich zweite Akt insgesamt dramaturgisch konsistenter gezeigt.
Die szenische „Flaute”, der die Szene Vorschub leistet, gähnte
allerdings auch aus dem Orchestergraben: ein über weite Strecken
einförmiges, im Tempo meist träges Musizieren, ohne die Gefühlszustände akzentuiert auszuformulieren, die Mozart seinem „Idomeneo“ verordnet
hat. Nicht einmal Elettras finale Wut ist unter die Haut gegangen: Ihr
„Furioso” wirkte fast so belanglos wie die paar harmlosen
„Don-Juan-Teufelchen”, zu denen sie sich dann inszenierungsbedingt in
einer flachen Bühnensenke kuscheln muss und zu denen sich seltsamer
Weise auch der des Amtes enthobene Idomeneo begeben wird. Nur die paar
Chorpassagen wurden zum weckenden „Rettungsanker”, in denen noch etwas
von der Dramatik dieser Oper spürbar wurde.
Die Besetzung war nicht „ideal“, aber es hätte – wie angesprochen – Möglichkeiten gegeben, den Eindruck zu verbessern. Bernard Richter gab einen glanzlosen Idomeneo, zu schwerfällig im Anbringen des gesanglichen Verzierungswerks. Kate Lindsey
konnte mit ihrem nüchternen, teils belegt und insgesamt für Mozart
recht fahl klingenden Mezzo dem Idamante gesanglich kaum Plastizität
verleihen – und je länger die Arien, um so mehr schien Lindsey damit beschäftigt, zumindest „über die Runden“ zu kommen. Ying Fang hat der Ilia in den „Zeffiretti lusinghieri”
zwar ein paar fein kolorierte Koloraturen geschenkt, aber insgesamt
klang mir ihr Sopran zu zart und in den Emotionen zu blass. In ihrer
Wirkung blieb auch Eleonora Burattos
Elettra hinter den Möglichkeiten dieser Partie zurück. Was dann noch an
Nebenrollen zu hören war, passte zum Gesamteindruck. Die Länge des
Schlussapplauses lag bei rund sechs, sieben Minuten.
|
|