COSI FAN TUTTE

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Premiere im Livestream
Schönbrunner Schlosstheater
25.3.2026


Musikalische Leitung: Christoph U. Meier

Inszenierung: Roland Schwab
Ausstattung: Mirjam Miller

Webern Symphonie Orchester
Chor des Instituts für Gesang und Musiktheater

Fiordiligi - Nuri Park
Dorabella - Maria Shebzukhova
Guglielmo - Ejnar Čolak
Ferrando - Haohan Yu
Despina - Jamie Petutschnig
Don Alfonso - Clemens Seewald


„Manipulationen der Liebe“
(Dominik Troger)

Die  mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (Institut für Gesang und Musiktheater) spielte vier Vorstellungen von „Cosi fan tutte“ im Schönbrunner Schlosstheater und wirbelte den Gefühlshaushalt von Dorabella und Fiordiligi, von Ferrando und Guglielmo durcheinander. Die Premiere der Produktion wurde auf der Homepage der mdw gestreamt und dieser Stream bildet die Grundlage für die nachfolgenden Eindrücke.

Ob es wirklich „Alle“ so machen, das ist die große Frage: Zumindest Don Alfonso scheint mit päpstlicher Unfehlbarkeit daran zu glauben. Lorenzo Da Ponte und Wolfgang Amadeus Mozart sind seiner Auffassung mit frivol-boshafter Willfährigkeit gefolgt – um im Finale dann doch noch eine „Medizin“ gegen ausuferndes Gefühlschaos zu verschreiben: In einer Welt voller Unbeständigkeit kann nur die „Vernunft“ dabei helfen, dass der Mensch in den Stürmen des Lebens nicht untergeht.

Die Produktion der mdw hat sich mehr nach diesen „Lebensstürmen“ ausgerichtet, denen Don Alfonso die entsprechende „Windstärke“ verlieh. Dieser zog eine lässige „Show“ ab und spielte einen jungen, clubbinggestählten „Beziehungsimpresario“, bei dem die Fäden zusammenlaufen. Er startete am Beginn
mit seinem Smartphone die Ouvertüre wie einen „Musicclip“ – und wird am Schluss den Stromstecker ziehen: Kein Licht mehr und das Spiel ist aus! Ein begehrliches Auge hat er auf Despina geworfen. Diese widmete sich ihrer intriganten Aufgabe als Komplizin mit außerordentlich selbstbewusster Unverschämtheit.

Unter solchen Voraussetzungen kann die von den naiven Jungspunden Ferrando und Guglielmo eingegangene Wette natürlich nur verloren werden. Vor allem sind ihre Geliebten Dorabella und Fiordiligi den Manipulationen Don Alfonsos und Despinas gnadenlos ausgeliefert. Sie werden zu Opfern einer „erotischen Gehirnwäsche“, die den Partnertausch beflügelt und ihnen die verklemmte, romantische Fixierung auf den einzigen und wahren „Traummann“ austreibt.

Die Inszenierung von Roland Schwab stützte sich auf eine minutiöse Personenregie, die die Liebeswirren mit Schwung auf die Spitze trieb und die leere, offene Bühne in ihrer ernüchternden Funktionalität überzeugend bespielte. Nur das schlichte Quadrat einer schräg gedrehten, etwas erhobenen Spielfläche, die von vier Sesseln
assistiert wird, markierte das Zentrum des emotionalen Ringens.

Projektionen haben die
optische Genügsamkeit etwas abgemildert: In der zweiten Szene wurden zum Beispiel die Gesichter von Ferrando und Guglielmo auf die erwähnte Spielfläche, sowie auf eine spiegelartig darüber schwebende Deckenkonstruktion projiziert, um die Sehnsüchte und Zukunftsträume der beiden heiratswilligen Schwestern dem Publikum zu visualisieren. An den Kostümen der beiden Frauen waren außerdem ihre Gefühlszustände gut abzulesen: Vom weißen schlichten Hochzeitskleid am Beginn, über schwarze Trauerfarbe nach der Abreise der Geliebten, bis zum erotischen „Coming-Out“ von Dorabella im zweiten Akt, wenn sie unter dem schwarzem, züchtigen Jackett das reizvolle Negligé verborgener Leidenschaft enthüllt.

Ein heikler Punkt bei jeder Aufführung von „Cosi fan tutte“ ist die Maskierung der beiden Liebhaber. Die „Doppelgänger“ der Soldaten erscheinen dieses Mal im Outfit von Skateboardern, angetan mit Heavy-Metal-T-Shirts und tattooverziert. Sie verbergen ihre Identität hinter Sonnenbrillen und einem subkulturellem „Odeur“, das die beiden adretten, wohlerzogenen Damen zuerst ziemlich echauffiert. Eine zwanglos aufbereitete Portion Gesellschaftskritik hat Schwab in diese sehr gut durchgearbeitete Inszenierung also auch noch hineingepackt.

Von den jungen Sängerinnen und Sängern wird in dieser Produktion eine starke Bühnenpräsenz verlangt: jugendlich, ungestüm, humorvoll, entzürnt, melancholisch, auch mit romantisierender Nachdenklichkeit versehen, wie das in unsicheren Liebeslagen oft der Fall ist. Die Premierenbesetzung war für diese Aufgabe gut gewählt und hat dem Publikum plastisch ausgeformte Rollenporträts serviert. Clemens Seewald stattete den Don Alfonso mit der geforderten Bühnenpräsenz und leicht gerautem „Parlandozynismus“ aus. Jamie Petutschnig hat mit bissigem Humor und gewitztem Sopran die erotisch-griffige Stubenmädchenphilosophie Despinas auf den Punkt gebracht.

Die beiden Soldaten und Brautwerber fanden eine gute Mischung zwischen jugendlicher Unbekümmertheit und überspannter Emotion, ohne eine übertrieben buffoneske Verharmlosung ihrer Gefühlszustände zu betreiben: Ejnar Čolak als Gugliemo mit viril timbriertem Bariton, sowie Haohan Yu, der als Ferrando auch den tenoralen Feinheiten Mozarts Gehör verschaffte. Die beiden Damen brachten ihre Partien ebenfalls mit „mozartischem“ Ausdruck zur Geltung: Nuri Park als stimmlich zartgliedrigere Fiordiligi, Maria Shebzukhova als lebenlustigere, im Timbre etwas dunklere Dorabella. Manchmal wurden die Stimmen im Eifer des Gefechts allerdings ein wenig zum Forcieren verleitet.

Wichtige Stütze war das Webern Symphonie Orchester unter Christoph U. Meier, der mit ausgewogener Temporegie und viel Gespür für die Abmischung von Liebespathos, stimmungsvoller Gefühlsmalerei und Mozarts keckem Humor die Vorstellung leitete. Auch die Rezitative wurden mit der gebotenen Aufmerksamkeit behandelt – was für köstliche Passagen sorgte, etwa wenn die zwei Paare im zweiten Akt voller schüchterner Verlegenheit eine von langen Sprechpausen unterbrochene Konversation beginnen („Oh che bella giornata!“).

Das Publikum spendete einige Male Szenenapplaus und viel Beifall beim Schlussvorhang. Die vier Vorstellungen wurden in alternierender Besetzung gegeben. Die Livestreams der Premiere und der zweiten Vorstellung können auf der Homepage der mdw in der Mediathek abgerufen werden.