L'ORFEO
Aktuelle Spielpläne
Forum
Opernführer
Chronik
Home
Monteverdi-Portal

Staatsoper
25.10.2026

Musikalische Leitung: Stefan Gottfried

Concentus Musicus, Chorakademie der Wiener Staatsoper, Jugendkompanie der Ballettakademie der Wiener Staatsoper, Europaballett St. Pölten

Die Musik / Die Hoffnung / Echo - Nadezhda Karyazina
Orfeo - Rolando Villazón
Euridice - Florina Ilie
Botin / Proserpina - Margaret Plummer
Plutone - Matheus França
Caronte - Wolfgang Bankl
Apollo - Hiroshi Amako
Nymphe - Anna Ryabenkaya
Ein Hirte - Iurii Iushkevich
Ein Hirte / Ein Geist - Matthias Spielvogel, Jannik Junzhe Zeng

„Wiederaufnahme“
(Dominik Troger)

Nach vier Jahren hat die Staatsoper ihre Produktion von Claudio Monteverdis „L’Orfeo“ wieder aus dem Depot geholt – und dieses Mal Rolando Villazón in der Titelpartie aufgeboten.

Rolando Villazón hat den Orfeo schon länger im Repertoire. 2025 hat er sogar ein „Konzeptalbum“ veröffentlicht, zusammengestellt von Christine Pluhar, die mit L’Arpeggiata auch für die Begleitung gesorgt hat: Unter dem Titel „Orfeo son io“ bietet Villazón Ausschnitte aus den „Orpheus-Opern“ von Monteverdi und Gluck sowie weiteres mehr – und an der Staatsoper gibt es jetzt den ganzen Monteverdi, ohne Pluhar, dafür mit dem Concentus Musicus unter Stefan Gottfried.

Monteverdi an der Staatsoper, noch dazu der „Orfeo“, ist allerdings keine ideale Kombination. Das Haus ist dafür zu groß und nach stilistischen Nuancen fragt man besser nicht, weil die Staatsoper sich mit einem vornehmlich aus dem Ensemble besetzten Monteverdi nicht plötzlich zu einem historisch informierten „Barockoperntheater“ wandeln wird.

In diesem Rahmen bewegte sich auch Rolando Villazón. Das baritonale Timbre seines im Laufe der Karriere stark in Mitleidenschaft gezogenen Tenors ist zwar nach wie vor unverkennbar, hat aber seinen Glanz verloren. Die Stimme beruht vor allem auf einer sehr einförmig und im Umfang begrenzt wirkenden Mittellage, auf deren Basis der Sänger versuchte, dem artifiziellen Stil Monteverdis Genüge zu tun. Doch für eine feinsinnige pathetische Klage Orfeos fehlten die Mittel. Vor der unüberbrückbar scheinenden Kluft zwischen sängerischer Anforderung und gefühlter Emotion rettete sich Villazón in eine von mir schon als posenhaft empfundene Leidenschaftlichkeit, die mehr der Oper späterer Jahrhunderte zugerechnet werden darf.

Florina Ilie hatte als Euridice wenig zu singen und war vor allem hübsche Braut. Hiroshi Amako war – wie schon in der Premiere – ein strahlenloser Apollo, Margaret Plummer gab die Proserpina, ihre Botin war weniger beeindruckend (aber dieser hat die Regie den wirkungsvollen Auftritt versagt, weil Euridice in Anwesenheit der Hochzeitgesellschaft stirbt). Der unverkennbare Wolfgang Bankl wachte wie in der Premiere als Caronte, Nadezhda Karyazina hat vor allem als Hoffnung aufhorchen lassen. Matheus Franca war ein düsterer, basswolkiger Plutone. Manch „schmalspurig“ klingende(r) Hirte / Nymphe hätte besser in ein kleineres Haus gepasst. Getragen wurde der Abend vom Concentus Musicus unter Stefan Gottfried, mit etwas weicheren Konturen versehen, kein „archaischer“ Monteverdi, sondern ein kulinarischer „Kompromiss“.

Für das Publikum dürfte der Abend „funktioniert“ haben – und die Inszenierung von Tom Morris hatte auch ihren Anteil daran, weil sie die Handlung an Hand einer mit phantasievollen Kostümen ausgemalten Hochzeitsfeier im Hirtenmilieu entwickelt. Ausstatterin Anna Fleischle hat ihr einen Schuss Shakespear’scher Sommernachtstraumoptik verpasst, und ist auch vor düster drohendem Hades- und Kulissenzauber nicht zurückgeschreckt. Noch vor Beginn durchstreifen Kostümierte die Foyers: Das Publikum soll sich zur Hochzeit von Orfeo und Euridice willkommen und eingeladen fühlen. Und die beiden machen auch eine Lautsprecheransage am Beginn, die das „eventgemäße“ Hochzeiten noch einmal verdeutlicht.

Fazit: Es gab etwa acht Minuten langen, mit Bravorufen angereicherter Schlussapplaus, dessen Länge auch den unermüdlichen Villazón-Fans im Publikum geschuldet war – und wer sich melancholischen Tenorerinnerungen hingeben möchte, hat bis zum 3. November noch drei Vorstellungen Gelegenheit dazu..