LA MORTE D'ORFEO
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Theater a.d. Wien
28.1.2026
Konzertante Aufführung

Dirigent: Stéphane Fuget

Ensemble: Les Épopées

Orfeo - Cyril Auvity
Euridice / Primo Euretto / Menade / Eco -
Hasnaa Bennani

Calliope / Una Menade / Menade
/ Pastore - Isabelle Druet
Mercurio / Bacco / Terzo Euretto / Satiro - Paul Figuier
Teti / Nissa
/ Pastore / Dea - Claire Lefilliâtre
Aurora / Lincastro / Menade
/ Pastore
/ Satiro / Dea - Anaïs Yvoz
Fosforo / Secondo Euretto
/ Menade / Eco
/ Pastore
- Floriane Hasler

Fato / Fileno / Satiro / Pastore - Marc Mauillon

Ireno / Apollo / Satiro / Dio - Marco Angioloni
Furore / Caronte / Pastore - Alessandro Ravasio
Ebro / Giove
/ Pastore - Alexandre Adra


„Der Tod des Orfeo
(Dominik Troger)

Einen Ausflug in die Frühzeit der Oper ermöglichte das Theater an der Wien mit einer konzertanten Aufführung von Stefano Landis „La morte d’Orfeo“.

Stefano Landi war ein Zeitgenosse von Claudio Monteverdi, sein musikalischer Beitrag zur Orpheussage stammt aus dem Jahr 1619. Die Handlung setzt nach der vergeblichen Unterweltreise Orfeos ein: Der Sänger feiert seinen Geburtstag. Der von ihm verschmähte Bacco rächt sich. Orfeo wird von Mänaden zerrissen und gelangt als Schatten noch einmal in die Unterwelt, aber Euridice erkennt ihn nicht mehr. Orfeo wird als Halbgott in den Olymp aufgenommen.

„La morte d’Orfeo“ erreicht über die ganze Werklänge gemessen zwar nicht die Dichte von Monteverdis „Orfeo“, besitzt aber Stellen von starker bühnendramatischer „Plastizität“: Carontes „Trinklied“ im fünften Akt etwa, ein „Dulcamara“ des Hades, preist buffonesk  „il sereno liquor di Lete“ an. Die Klage Filenos im vierten Akt, wenn dieser Orfeos Mutter Calliope vom Tod ihres Sohnes berichtet, lotet die Grenzen seelischen Schmerzes aus. Der zornige Bacco im dritten Akt wirkt gar nicht göttlich in seinem Beleidigtsein, aber seine Rache ist fürchterlich. Sogar Euridice darf Orfeo noch einmal im Hades begegnen, der als Schatten zwangsläufig wieder die Unterwelt aufgesucht hat. Es benötigt allerdings eine hohe
deklamatorische Prägnanz, um die vielen Figuren in den kurzen Szenen, die ihnen reserviert sind, bis in die Feinheiten ihres Charakters auszuleuchten.

Mit Cyril Auvity war ein ausgewiesener Spezialist für alte Musik als Orfeo aufgeboten. Sein hoher, feinfühliger Tenor verlieh dem antiken Sänger aristokratischen Glanz, war fast schon zu nobel in den Gefühlsausbrüchen: Orfeos Emotionen geläutert durch die Musik.  Marc Mauillon, vor ein paar Tagen noch bei der konzertanten Aufführung der Galuppi-Oper „L'uomo femmina“ in Konzerthaus engagiert, schilderte als Fileno eindrucksvoll Orfeos Tod. Isabelle Druet war als schmerzerfüllte Calliope die Adressatin dieses Berichts.

Im Gegensatz dazu betonte Alessandro Ravasio als Caronte mit jugendlich-profundem Bass und einer Portion Zynismus die komödiantische Seite des Unterwelt-Fährmanns. Hasnaa Bennani brachte die wenigen Verse der Euridice mit angemessenem ausdruckslosem Unverständnis auf den Punkt. Nichts weiß sie mehr von Orfeos Liebe, nachdem sie von Lethes erinnerungslöschendem Wasser getrunken hat.

Marco Angioloni war mit goldfarbenem Sakko als Apollo passend ausstaffiert, der seinen Sohn Orfeo allerdings umsonst warnt. Paul Figuier gab dem Bacco jenen trotzigen-kindischen Zorn, der Orfeos Schicksal besiegelt; der besänftigende Einspruch von Nissa (Claire Lefilliâtre) konnte ihn nicht umstimmen. Floriane Haslers Weißwein-Mezzo besang unter anderem
als Fosforo den Frühling, auch sie war wie Marc Mauillon erst wenige Tage zuvor im Konzerthaus in Galuppis „L'uomo femmina“ aufgetreten.

Die insgesamt elf Sängerinnen und Sänger hatten bis auf Orfeo mehrere Rollen zu bewältigen, bildeten auch die Chöre von Hirten und Satyrn und im Finale gesellten sich noch die Götter hinzu. Das kleine Orchester Les Épopées unter Stéphane Fuget sorgte für die stimmige historisch informierte Begleitung. Ganz gefüllt war der Saal des Theaters an der Wien nicht. Am Schluss gab es rund fünf Minuten langen starken Applaus.

PS: Dieses Mal war der Orchestergraben nicht abgedeckt worden, die Sängerinnen und Sänger standen etwas hinter der eigentlichen Bühnenrampe. Akustisch ist das für den Stimmklang nach meinem Eindruck besser, als wenn sie auf dem gedeckelten Orchestergraben quasi schon im Auditorium positioniert sind.