ALCINA
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Konzerthaus
7.12.2007
Konzertante Aufführung

Musikalische Leitung: Jean-Christophe Spinosi

Orchester: Ensemble Matheus

Alcina - Inga Kalna
Ruggiero - Vesselina Kasarova
Morgana - Olga Pasichnyk
Bradamante - Sonia Prina
Oronte - Xavier Mas
Oberto - Judith Gautier
Melisso - Francois Lis


Für Genießer
(Dominik Troger)

Nach der Aufregung rund um die „Walküren“-Premiere konnte man keine Woche später im Konzerthaus bei Händel seine Seele beruhigen. Auch Händel ist einer der ganz großen Magier der Opernbühne – und wenn das Werk dann noch von einer Zauberin handelt, passt alles perfekt.

Die Handlung zu „Alcina“ stammt aus dem Ariosto’schen Themenkreis – und teilt diese Quelle mit Haydns „Orlando paladino“, der unlängst im Theater an der Wien Premiere hatte. Anders als bei Haydn steht bei Händel die Frage nach den Obsessionen der Liebe ohne buffoneske Einsprengsel im Mittelpunkt. Das aufklärerische Ideal der Verhältnismäßigkeit und Ausgeglichenheit der Affekte kommt freilich bei beiden zum Tragen.

Musikalisch entfaltet Händel in diesem 1735 uraufgeführten Werk immer wieder großflächige Arien, die im Zwiegesang mit einzelnen Instrumenten (Violine, Cello) wie Seelendramen die emotionalen Befindlichkeiten offenlegen und den SängerInnen viele Möglichkeiten bieten eine schöne Stimme samt stupender Technik vorzustellen. Zugleich dürfen sich auch Solisten im Orchester hervortun – und sogar der Dirigent (Jean-Christophe Spinosi) griff zur Violine, um sie feinfühlig in solistischer Begleitung zum „Singen“ zu bringen.

Im ersten Aufzug hatte ich diese Feinfühligkeit noch Missverstanden, die auch das Orchester auszeichnete (Ensemble Matheus) und ein wenig mit der mangelnden Dramatik gehadert – im zweiten und dritten Aufzug, wenn auch Händels Musik ihre Seelenmalereien so richtig entfaltet, wurde dieser sensible, auf Nuancen hellhörige Vortrag zu einem wahren Genuss.

Die Besetzung trug ihren Teil dazu bei: allen voran Vesselina Kasarova in der Rolle des Ruggiero. Ihr Mezzo hat Kraft und strömt doch zugleich Ruhe aus. Dank perfekter Technik wird man keine Sekunde im genießenden Zuhören gestört, gerät kein Ton aus der „Fasson“, alles klingt rund und voll, mit apartem Timbre gesungen, männlich in der Tiefe fundiert.

Wie sehr ein einzelner Ton den Vortrag stören oder gar zerstören kann, musste man an der Alcina (Inga Kalna) lernen. Die Stimme klang in der Höhe für meinen Geschmack zu schrill, vor allem nach Intervallsprüngen. Auch wenn Alcina schon einiges von den bösartigen, schillernden Heroinen der Oper des 19. Jahrhunderts vorweg nimmt, Händel hält sie trotz aller Exaltiertheit doch deutlich am musikalischen Zügel. Mein Eindruck blieb in diesem Fall etwas zwiespältig und ich hätte mir eine „gepflegtere“ Stimme gewünscht.

Singvogelhaft schwebte Olga Pasichnyk als Morgana dahin, eine hübsche Stimme, die in der Höhe ein wenig von ihrer angenehmen Lebhaftigkeit verliert. Zwei Franzosen, erstmals im Konzerthaus zu Gast, ließen aufhorchen: Xavier Mas und Judith Gauthier, beide mit viel Einfühlungsvermögen in die barocke Gesangeskunst und gut geführtem, angenehm klingenden Tenor und Sopran. Auch Francois List, Bass, wäre hier anzuführen, hatte allerdings nicht sehr viel zu singen. Sonia Prina hat bereits in der Vergangenheit das Wiener Publikum ihr gesangliches Feuer spüren lassen. Die Chöre wurden weggelassen, auch nicht durch das Ensemble substituiert.

Fazit: Lohnenswerte vier Stunden mit viel Applaus am Schluss, die das starke Bedürfnis nach einer angemessenen szenischen Aufführung geweckt haben.