ACI, GALATEA E POLIFEMO
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Konzerthaus
12. Oktober 2013
Konzertante Aufführung

Musikalische Leitung: Emmanuelle Haim

Orchestre du Concert d'Astrée

Aci - Lydia Teuscher
Galatea - Delphine Galou
Polifemo - Laurent Naouri



Mord aus Eifersucht

(Dominik Troger)

Der erste Abend des konzertanten Opernzyklus im Konzerthaus war der Serenata „Aci, Galatea e Polifemo“ des jungen Georg Friedrich Händel gewidmet. Das Werk wurde im Juli 1708 in Neapel uraufgeführt – wahrscheinlich im Rahmen einer Fürstenhochzeit.

Die Geschichte um den eifersüchtigen Zyklopen Polifemo, der von der Meeresnymphe Galatea entzückt ist, aber erkennen muss, dass diese nicht ihn, sondern den Hirten Aci liebt, wurde Ovids „Metamorphosen“ entnommen. Nachdem Polifemo die Nymphe nicht für sich gewinnen kann, erschlägt er Aci mit einem Felsblock. Acis Blut verwandelt sich in einen Strom, der ins Meer fließt, um jetzt für immer mit Galatea vereint zu sein. Polifemo bleibt allein zurück und erkennt immerhin, dass die Beständigkeit der wahren Liebe sich nicht verändern wird.

Im Gegensatz zu Nicola Porporas 1735 uraufgeführter Oper „Polifemo“ behandelt Händel nur die Geschichte zwischen den drei genannten Protagonisten. Das Libretto von Nicola Giuvo handelt dieses Dreiecksverhältnis exemplarisch ab: Das Publikum bekommt vorgeführt, wie sich Zorn und Eifersucht in Polifemo vermehren, wie die Hilflosigkeit von Galatea zunimmt und wie Aci unter den Qualen leidet, die Galatea erdulden muss. Polifemo wird zwar als grobschlächtiger und brutaler Kerl gezeichnet, trotzdem werden ihm genauso Gefühle wie Liebe, Einsamkeit und Traurigkeit zugestanden.

Das Stück bietet wenig dramatische Spannung, zu eindeutig werden die Figuren schon von Beginn an in Stellung gebracht – und die psychologische Schärfe des Vorgangs verbirgt sich hinter einer metaphernreichen Sprache, die zugleich als ornamentale poetische Verzierung dient. Händel hat sich zehn Jahre später in England diesen Stoff noch einmal vorgenommen und eine Masque komponiert – „Acis and Galatea“ – mit neuer Musik.

„Aci, Galatea e Polifemo“ bietet einige mit überraschenden Effekten ausstaffierte Arien – an erster Stelle ist hier Polifemos „Fra l’ombre e gl’orrori“ zu nennen, in der der Zyklop seiner enttäuschten Liebe Ausdruck verleiht und in der ihn seine gespannte Gefühlslage im Mittelteil zu einem Intervallsprung um zweieinhalb Oktaven zwingt. In der Tiefe (bis zum „tiefen D" hinab) werden ausgiebig „Schatten und Schrecken“ beschworen, die Orchestrierung hält sich zurück, der Sänger wird bei langsamem Tempo unbarmherzig in die „Auslage gestellt" – eine große Herausforderung.

Der Abend litt für meinen Geschmack ein wenig unter der Größe des Konzerthauses. Die solistischen Feinheiten des kleinen Orchestre du Concert d’Astrée konnten sich nicht wirklich entfalten, auch für die Solisten war dieses Konzertsaalambiente nicht immer ideal.

Als gefährlicher Zyklop setzte Laurent Naouri auf seinen flexiblen Bassbariton, der auch mit der obgenannten Arie gut zu Recht kam, sie flüssig sang und passend ausgestaltete. Für diese Leistung gab es Szenenapplaus.

Lydia Teuscher war für Sonya Yoncheva eingesprungen. Teuscher steuerte sicher durch die Partie, ein wenig mehr an stimmlicher Süße hätte den Liebesbezeugungen noch etwas Schmelz aufgetragen und da und dort fehlte etwas die Lockerheit für funkensprühende Virtuosität. Auch sie ersang sich nach der Pause Szenenapplaus.

Delphine Galous zart kolorierter „Mezzoalt“ hat die Nymphe mit sensibler Leidenschaft ausgestaltet, allerdings ist mir die Sängerin von ihren Auftritten im Theater an der Wien nachhaltiger in Erinnerung: die dortige Akustik dürfte ihrer Stimme mehr behagen.

Emmanuelle Haim am Pult wiegte sich tänzerisch in die Partitur hinein oder spielte mit expressivem Körperausdruck das Cembalo. Ihr zuzusehen war schon die „halbe Miete“, wobei schwer auszumachen war, wo die Show anfing und wo das Dirigentinnenhandwerk endete. Aber wenn sich beim Publikum das sichere Gefühl einstellt, dass ohnehin alle am Podium wissen, was sie zu tun haben, dann ist es nett anzusehen.

Der Schlussbeifall nach rund zwei Stunden Aufführungsdauer inklusive einer Pause war stark, aber nicht überlang. Das Konzert wird am 6. Jänner 2014 um 19.30 auf Österreich 1 gesendet.