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LA FILLE DU RÈGIMENT |
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Wiener Staatsoper Dirigent: Evelino Pidó |
Marie - Erin Morley |
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Nach vier Jahren hat die Regimentstochter wieder an der Staatsoper vorbeigeschaut und sich in einen neuen Tonio verliebt: Xabier Anduaga ist in dieser Partie nun endlich auch in Wien zu Gast und begeistert das Publikum. „La fille du régiment“ hat nach rund hundertjähriger Abwesenheit erst 2007 wieder an das Haus am Ring zurückgefunden – und wurde zum Anlass für einen der gefeiertsten Premierenabende der Direktion Holender. Die letzte Vorstellung der Premierenserie wurde eine gute halbe Stunde (!) lang beklatscht: Juan Diego-Flórez, Natalie Dessay, Carlos Alvarez und Montserrat Caballé sprengten die Enthusiasmusgrenzen des Wiener Publikums. Die Inszenierung von Laurent Pelly hat als Koproduktion mit dem Royal Opera House Covent Garden und der Metropolitan Opera New York solchem Enthusiasmus auch keine Steine in den Weg gelegt – und sie bewährt sich immer noch, bietet eine pointierte Personenführung und verschmilzt die komische Oper mit Operettenflair. Die Figuren werden szenisch nicht um ihre ehrlichen Gefühle betrogen, auch wenn Pelly manch ironisch-entlarvenden Blick auf sie geworfen hat. Gar nicht gut, kommt die High-Society rund um die Herzogin von Crakentorp weg: Das boshaft choreographierte „Geriatrie“-Ballett im zweiten Teil sorgt jedesmal erneut für Gelächter im Publikum (und solange man selber darüber lacht, darf man sich sich wahrscheinlich noch jung fühlen). Blickt
man auf die bis dato über dreißig Vorstellungen seit 2007 zurück, dann
stechen an der Staatsoper in der Partie des Tonio vor allem zwei
Interpreten heraus: Juan Diego Flórez, der nicht ganz die Hälfte der
Aufführungen bestritten hat, und Javier Camarena, der allerdings nur in
vier Vorstellungen als Tonio aufgetreten ist. Mit Xabier Anduaga ist in dieser Rolle jetzt der nahtlose Übergang zu einer neuen, jüngeren Tenorgeneration geglückt. Wie den beiden genannten wurde auch Anduaga nach dem „Ah! Mes Amis“ so lange und begeistert applaudiert, dass er – wie diese – den Schlussteil der Kavatine wiederholt hat (allerdings erst in dieser zweiten Vorstellung, in der ersten am Sonntag war er gegenüber solchen Publikumswünschen noch standhaft geblieben). Aber man sollte den Tonio nicht nur an den „hohen Cs“ festmachen, die Anduaga dem Publikum virtuos serviert hat, raumfüllend und mit Métalliséglanz versetzt. Beim „Pour me rapprocher de Marie“ nach der Pause glänzte er mit feinfühliger Stimmführung und ebenen, klaren und klangvollen (!) Piani, mit denen er dann diese Romanze betörend beschloss. Im
Vergleich ist Anduagas Tenor kein „Tenore di grazia“, wie man ihn zum
Beispiel bei Juan Diego Flórez immer noch heraushört. Seine Stimme –
auch wenn sie sich auf eine schöne Belcantophrasen spinnende Lyrik
versteht (und manchmal den Tonio noch recht „nemorinohaft“
einfärbt) – ist kräftiger, besitzt einen sonoren, virilen
„Goldton“ und jene bereits genannte Metallauflage in einer mit
unbekümmerter Virtuosität zur Schau gestellten Höhe. Außerdem liegen
ihm darstellerisch und optisch diesen naiven Kerle – sei es Tonio oder
Nemorino: Ihre seelische Unbedarftheit darf sich bei ihm in einer
mit viel Musikalität erfüllten, unschuldigen Tenorliebe zeigen, der die
Herzen des Publikums wie von selbst zufliegen. Erin Morley gab
eine koloraturwendige Marie, aber die Stimme war letztlich doch um eine
Spur zu leichtgewichtig und zu wenig „prickelnd“, um durchschlagend
mit- und hinreißend zu wirken – trotz viel Spielwitz und Hingabe an die
Rolle. Peter Kálmán tritt in
dieser Aufführungsserie erstmals als Sulpice an, den bisher Carlos
Álvarez für sich „gebucht“ hatte (laut dem Online-Archiv der Staatsoper
in 31 Vorstellungen). Kálmán legte die Rolle etwas gröber an, aber auch
mit viel Buffo-Herz und „Sergeanten-Schmäh“. Marcus Pelz
als Hortensio ist ein unverzichtbarer und witziger „Dauerbrenner“ dieser Produktion,
dem sich seit der letzten Aufführungsserie vor vier Jahren Stephanie Houtzeel als amüsante Marquise de Berkenfield hinzugesellt hat. Als humoreske Chefin des Crakentorp’schen Hauses trat Brigitte Kren
an, aber altgediente Primadonnen verbreiten in dieser Rolle meist mehr Flair als ebensolche
Schauspielerinnen. Dazu
gesellten sich ein engagierter Chor und das an diesem Abend sehr gut
disponierte Staatsopernorchester unter der Stabführung von Evelino Pidó,
der den Abend mit Umsicht leitete. Der (bei Anduaga besonders) starke Schlussapplaus brachte es auf
zehn Minuten – wobei vor dem letzte Vorhang der Applaus praktisch schon
verebbt war, ein, zwei Besucher weiterklatschten und den Beifall in
einem schon weitgehend geleerten Haus noch einmal anfachten. |
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