CARMEN

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Staatsoper
30.9.2005

Dirigent: Marco Armiliato

Zuniga - Goran Simic
Don JosÚ - Richard Leech
MoralÚs - Eijiro Kai
Escamillo - John Relyea
Carmen - Marina Domashenko
Frasquita - Olesya Golovneva
Mercedes - Michaela Selinger
Micaela - Inna Los
Dancairo - Hans Peter Kammere
r
Remendado - Benedikt Kobel

Lillas Pastia - Hacik Bayvertian


Operntourismus

(Dominik Troger)

Die vierte Aufführung der laufenden Carmen-Serie bediente vor allem touristisches Publikum. Da kann es sogar in Wien passieren, dass in die Ouvertüre hineingeklatscht wird... Aber Hauptsache Zeffirellis üppig-folkloristisches Bühnenspanien erglänzte wieder prachtvoll unter dem Licht mittelmeerländischer Sonneneinstrahlung.

Musikalisch war das Glänzen unterschiedlich verteilt. John Relyea ist der umschwärmte Star-Torero noch eine Nummer zu groß. Es fehlt an der arenagestählten, feurigen Selbstsicherheit, mit der ihm nicht nur Stiere, sondern auch schöne Damen zum Opfer fallen. Relyea feierte mit dieser Carmen-Serie sein Staatsoperndebüt. Er wird derzeit als großes Talent von Haus zu Haus gereicht; man müsste ihn noch in einer anderen Partie hören. Richard Leech ist kein Don José für die Blumenarie. Da blüht bei ihm wenig. Seine Stimme braucht es forscher. Der dritte und vierte Akt stehen ihm gut. Im Finale wird er sogar mitreißend, voll verzweifelter Eifersucht, die Carmen den Tod bringt und ihn selbst vor den Richter.

Marina Domashenkos Carmen ist Don Josés gewagtes Spiel schon wert. Zwar litt die Bühnenerscheinung zu Beginn unter „Carmen“-Klischees (aber das ist natürlich ein Punkt, über den sich streiten lässt). Carmens Blumenwurf im ersten Akt zum Beispiel hat sicher viel mit einer „Pose“ zu tun, trotzdem könnte das spontaner wirken und nicht so deutlich auf „femme fatale“ studiert. Die eigentliche Stärke Domashenkos – die übrigens auch optisch mehr als eine anerkennswerte Carmen darstellt – zeigten sich für mich im dritten und vierten Akt, wenn sie mit Stolz und Selbstbewusstsein ins Tragödische hineinwächst. Im Schlussbild ist sie ein heroische Frau von eisigem Granit, an der sich Don Jose, da mag er betteln und greinen, nur mehr die Zähne ausbeißen kann. Ihr Timbre ist leicht dunkel gefärbt, in der unteren Mittellage ist die Stimme sehr gut abgesichert, die Höhe scheint weniger integer. Domashenko hat von Sibirien aus den Weg auf die internationalen Opernbühnen gefunden, in Wien gab sie als Carmen mit dieser Serie ihr gelungenes Rollendebüt.

Die Micaela von Inna Los geriet etwas dünn. Ihr Liebreiz muss noch an Farbe gewinnen. Der Rest des Ensembles wirkte, ohne besondere Höhenflüge erkennen zu lassen. Marco Armiliato zeigte Sinn für Bühnendramatik und strich das unterschiedliche musikalische Kolorit der einzelnen Nummern gut heraus.

Das Publikum war eigen. Der Lapsus während der Ouvertüre, der knappe Schlussapplaus: Don José und Carmen; alle zusammen; Einzelvorhänge; und aus. Der Beifall erlosch so schlagartig, als müssten alle Besucher zehn Minuten nach Vorstellungsende im Flugzeug sitzen. Zeffirellis Bühnenbild war übrigens bei jedem Aktbeginn mit flüsterndem, anerkennendem Raunen aufgenommen worden.