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LADY MAGNESIA / ZWEIMAL
ALEXANDER
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Kammeroper Musikalische
Leitung: Irene Delgado-Jiménez Wiener KammerOrchester |
Lady Magnesia Zweimal Alexander (Dvakrát Alexandr) |
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Nichts
scheint Ehemänner mehr zu beunruhigen, als eine mögliche Untreue der
Gemahlin. Diesen Eindruck vermitteln zumindest zwei Einakter, mit denen
das MusikTheater an der Wien seine Präsenz in der Wiener Kammeroper für
erste beendet. Soll das wirklich die letzte Premiere in der Kammeroper gewesen sein? Seit 1961 wird am Fleischmarkt, einem ehemaligen Tanzsaal, Oper gespielt. Die Geschichte der Kammeroper ist eng mit dem Namen Hans Gabor verknüpft, der die kleine Oper im Herzen Wiens über Jahrzehnte bis zu seinem Ableben im Jahr 1994 geleitet hat. Nachdem mit Ende der Spielzeit 2010/11 der Betrieb aus finanziellen Gründen eingestellt werden musste, wurde das Haus in Folge vom Theater an der Wien übernommen. Aus Einsparungsgründen ist jetzt damit Schluss, zumindest in der kommenden Saison sind seitens des TaW keine Produktionen geplant. Wie es weitergehen wird? Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Zurück zu den beiden Einaktern, mit denen in der Kammeroper das Wiener Publikum zwei Raritäten kennenlernen konnte. Beide Opern basieren auf „Gelegenheitstexten“: Mieczyslaw Weinberg hat eine angeblich vorwiegend während Zugfahrten aus dem Ärmel geschüttelte „Satire“ von George Bernhard Shaw als Vorlage genommen („Passion, Poison and Petrification“), Bohuslav Martinu wollte die Weltausstellung in Paris 1937 kompositorisch bereichern. Während sich Weinberg das Libretto nach der russischen Übersetzung von Vera Stanewitsch selbst eingerichtet hat, hat Martinu ein zum gegebenen Anlass verfertigtes Libretto von André Wurmser vertont. Außerdem wurden beide Opern erst posthum uraufgeführt: „Lady Magnesia“ 2009, „Zweimal Alexander“ 1964. Martinus Oper ist nicht rechtzeitig fertig geworden und weitere Aufführungen zu Lebzeiten des Komponisten kamen nicht zustande. Weinberg hatte unter der Diktatur des Sowjetstaates zu leiden und viele seiner Werke blieben unaufgeführt. In
beiden Stücken geht es um eheliche Treue: Bei Weinberg vergiftet der
Ehemann den Liebhaber seiner Frau. Als dieser mit Gips wieder entgiftet
wird, verwandelt er sich in eine „lebende Statue“. Shaw hatte
offensichtlich parodistisch Pygmalion im Auge, der sich nach antiker
Sage in eine von ihm geschaffene Frauenstatue verliebt, die dann
lebendig wird. In Martinus „Zweimal Alexander“ stellt der Ehemann seine
Frau auf die Probe. Er führt als Cousin aus Amerika seine Gemahlin in
Versuchung. Damit er von ihr nicht erkannt wird, hat er seinen Bart
geopfert. Hier liegt eine Parallele zu „Cosi fan tutte“ nahe. Aber
ich gebe zu, in der Kammeroper schon mehr unterhalten worden zu sein,
als an diesem Abend: Die Stunde, die es benötigte, bis sich der
verführerische Kammerdiener Adolphe endlich in eine Statue verwandelt
hatte, geriet etwas zäh, und auch Martinus surreal angehauchter
Weltausstellungsoper erging sich nach reizvollem Beginn bald in
„gefährlichen“ Längen. Musikalisch ist Martinu mit seinem
Neoklassizismus allerdings „buffonesker“ und „eingängiger“ unterwegs,
während sich mir Weinbergs mehr slapstickhafte und mit Jazzanleihen
versehene „Komik“ nicht so recht erschlossen hat. Außerdem könnte bei „Lady Magnesia“ durch die Bearbeitung viel an bissigem „Shaw-Witz“ verloren gegangen sein – um durch die Einrichtung eines deutschen Librettos noch mehr zu verflachen. Für den ins Deutsche übertragenen französischen Text von Wurmser wird ähnliches anzunehmen sein. Ob die an sich schwungvolle Inszenierung für mehr inhaltliche Klarheit hätte sorgen können? Bei Martinus Einakter möglicherweise, der auch mit Traumsequenzen arbeitet, die Ehefrau Armanda plagen. Und sicher macht wie meist der Vergleich: Wer sich in der Opernliteratur nach ähnlich gelagerten Werken umsieht, wird schnell bei Maurice Ravels „Spanischer Stunde“ landen, an die weder Weinbergs noch Martinus Kurzoper heranreichen. Die Inszenierung baute auf ein leicht variiertes Einheitsbühnenbild mit zwei Betten (durch in rosa Füße auslaufende Bettbeine surrealistisch verfremdet), wobei den zweifachen Alexander im Hintergrund ein großes „Bild“ ergänzte, um Platz für das geforderte singende Porträt zu schaffen. Die Kostüme in „Lady Magensia“ waren leicht barockisierend, die Sängerinnen und Sänger mit Perücken, was vielleicht im Sinne Shaws verzopftes Britentum persiflieren sollte. Beim Martinus Stück schlug dann stärker der Surrealismus durch, wie nicht nur an den Augengläsern mit den großen schwarzen Pupillen abzulesen war, die von den Mitwirkenden getragen wurden. Als sich einmal in Weinbergs Stück eine riesige Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger von der Decke senkte, hoffte ich, dass die Sache jetzt in die absurde Humorwelt von Monty Python eintauchen würde, was aber bedauerlicher Weise nicht der Fall war. Die Personenregie war flott, etwas überdreht. Die Besetzung war gut ausgewählt. Josefine Göhmann reüssierte als Lady Magnesia und als Armande, wobei sich Martinus Armande für die wandlungsfähige Sängerin als dankbarere Rolle erwies. Jacob Phillips musste sich im ersten Stück in eine Statue verwandeln, im zweiten gab er den Ehemann. Phillips ließ einen schlanken, aber kräftigen Bariton hören, mit dem er den kleinen Saal teils schon zu heftig beschallte. Wilma Kvamme war in beiden Einaktern das gewitzte Dienstmädchen, von Martinu stimmlich etwas stärker herausgefordert. Peter Kirk war der giftmörderische Gemahl von Lady Magnesia und avancierte nach der Pause zum tenoral sportlichen Oskar, der als Verehrer mit Armande gerne bicyclen gehen würde. Timothy Edlin sang im Martinu-Stück aus dem Bilderrahmen. Gespielt hat das WienerKammerorchester unter Irene Delgado-Jiménez. Am Schluss spendete das Publikum viel zustimmenden Beifall. |