DIE FLEDERMAUS

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Staatsoper
31. Dezember 2025

Dirigent: Markus Poschner

Gabriel von Eisenstein - Jonas Kaufmann
Rosalinde - Diana Damrau
Adele – Ilia Staple
Ida - Hannah-Theres Weigl
Alfred - Jörg Schneider
Dr. Falke - Adrian Eröd
Frank – Jochen Schmeckenbecher

Prinz Orlofsky - Daria Sushkova
Iwan - Jaroslav Pehal
Dr. Blind - Lukas Schmidt
Frosch -
Michael Niavarani


„Vergnügliche Fledermaus“

(Dominik Troger)

Vergnüglich ist das Jahr an der Wiener Staatsoper mit der „Fledermaus“ ausgeklungen. Diana Damrau und Jonas Kaufmann gaben ihre Hausdebüts als Rosalinde und Eisenstein, am Pult feierte Markus Poschner seinen Einstand. Gemeinsam mit bewährten Ensemblekräften und einem kabarettgeeichten „Frosch“ sorgten sie für eine erfrischende Silvestervorstellung.

Michael Niavarani hat jetzt seinen zweiten Staatsopern-Frosch-Silvester hinter sich, nachdem Peter Simonischek viele Jahre lang den leicht renitenten Gefängnisdiener im Haus am Ring quasi im „Abonnement“ abgehandelt hat. Kein Wunder, wenn Simonischek dabei im Laufe der Jahre der Esprit etwas verloren gegangen ist und die Trägheit eines subalternen Beamten sich manchmal doch etwas zu deutlich in den Vordergrund gedrängt hat. Der energiegeladene Frosch von Niawarani ist dagegen ein Alleinunterhalter. Er könnte nicht nur den dritten Akt, er könnte wahrscheinlich die ganze „Fledermaus“ im Alleingang bestreiten.

Mit den subversiv-intellektuellen Fröschen eines Helmuth Lohner (auch im Spiel von vertrakter, „doppelbödiger“ Existenz) oder eines Robert Meyer darf man Niavarani aber nicht vergleichen, der einen etwas derberen, bodenständigeren Schmäh führt. Und wenn Niavarani die Geisteszustände seiner Zeitgenossen vom „Trottel“ über den „Volltrottel“ bis zum „Koffer“ und „Fetzenschädel" Revue passieren lässt, dann feilt sein Sprachwitz keine feine Klinge.

Aber Niaravani begibt sich sogar in den Orchestergraben: Wie zufällig lässt er die Gefängnisschlüssel von der Rampe fallen, um sich auf der Suche nach dem Schlüsselbund unter die Musiker zu gesellen und mit dem Dirigenten „anzubandeln“. Sein „Polieren“ des Dirigentenstabs löst wie „ferngesteuert“ sogar ein paar Orchestertakte „Carmen“ aus. Niawarani stolpert über eine Violine und demoliert sie dabei, da kann der Humor des Vollblutkomikers dann schon ein wenig in Richtung publikumssüchtige Outrage tendieren.

An Pointen war ohnehin kein Mangel. Niaravani schien sie nur so aus dem Ärmel zu schütteln, manche Perle war darunter und manche Geschmacklosigkeit, wobei er den Mächtigen der Welt grundsätzlich empfahl, anstelle von Kriegführen die habsburgische Heiratspolitik nachzuahmen (und er machte den Vorschlag, Bundeskanzler Stocker solle durch eine Ehe mit der italienischen Ministerpräsidentin Meloni Triest wieder Österreich eingemeinden.) Natürlich fehlten auch viele liebgewonnene Pointen nicht, die zu diesem szenischen Otto Schenk`schen Geniestreich in den Bühnenbildern Günther Schneider-Siemssens gehören wie der Hagelzucker aufs Brioschkipferl. (Für das Bühnenbild im zweiten Akt gabs sogar kurzen, wenn auch etwas schüchternen Szenenapplaus.)

Die Besetzung lebte stark von Persönlichkeiten, was jeder Auführung nur gut tun kann, auch wenn gesanglich da und dort Abstriche zu machen waren. Diana Damrau versah die Rosalinde mit überddrehter Affektiertheit und viel darstellerischer Energie: eine quirlige, wenn auch nicht mehr in ganzer Sopran-Vollblüte stehende „Rosa-Linde“. Der Schlusston beim Csárdás geriet zwar etwas knapp, aber daran hängt jetzt nicht Rosalindes Schicksal.  Viel wichtiger war, dass Damrau mit listigem Verve ihrem Gemahl das Damenührchen abluchste und auch sonst viel Schwung in die Vorstellung brachte. Dieser Gemahl - Jonas Kaufmann - fand im Laufe des ersten Aktes immer besser in seine Rolle hinein, sparte beim Eisenstein nicht mit Selbstironie, die er mit seinem baritonalen Tenor in Summe gut, manchmal vielleicht eine Spur zu schwerfällig, unterfütterte.

Als Adele gab Ilona Staple ein keckes, überaus spielfreudiges und mehr vorstädtisch situiertes Stubenmadl, wobei ihr koloraturaffiner Sopran für die Größe der Staatsoper dann doch ein bisserl schmal klang. Jörg Schneiders Alfred hatte Schmäh und sängerische Brillanz. Jochen Schmeckenbecher hat sich als Gefängnisdirektor sehr gut in dieses kakanische Oeuvre eingebunden. Daria Sushkova war zwar kein Orlofsky der Extraklasse, aber den Schwung der anderen Mitwirkenden hat sie mitgetragen. Die Ida war natürlich auch „da“ und Hannah-Theres Weigl formte gemeinsam mit Adele ein durchtriebenes Künstlerinnengespann. Arrangiert hat das alles Adrian Eröd, der wieder mit „Dr. Falke-Intellekt“ und etwas trockenem Bariton die gut getimte „Rachelogistik“ ins Laufen brachte.

Das Orchester unter Markus Poschner kam im Laufe des ersten Aktes in Fahrt, die Ouvertüre hatte noch ein bisschen sondierend, in Teilen fast verschleppt aus dem Orchestergraben getönt. Poschner fand jedenfalls bald die richtige Mischung zwischen Steuern und Loslassen und hat gemeinsam mit dem spielfreudigen Orchester den „Fledermaus“-Silvester-Spaß „beflügelt“. Die mit spritzigem Ballett garnierte Schnellpolka „Unter Donner und Blitz“ gegen Ende des zweiten Akts wurde zum Gustostückerl mit Beschleunigungsfaktor. Auch der Staatsopernchor hat für freudvoll versprühte Silvesterlaune gesorgt.

Für Eisenstein und Rosalinde wurden beim Einzelvorhang je ein rosa Plüsch-Neujahrsschweinchen von der rechten Galerieseite geworfen. Und das applausfreudige Publikum verließ das Haus gut gelaunt, um ganz verfledermaust in eine von kaltem Wind durchwühlte Silvesternacht zu
entfleuchen.