ANIMAL FARM
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Staatsoper
16. Juni 2026

Musikalische Leitung: Alexander Soddy

Old Major - Gennady Bezzubenkov
Napoleon - Wolfgang Bankl
Snowball - Michael Gniffke
Squealer - Andrei Popov
Boxer - Stefan Astakhov
Benjamin / Young Actress - Karl Laquit
Minimus - Artem Krutko
Clover - Margaret Plummer
Muriel - Isabel Signoret
Blacky - Elena Vassilieva
Mollie - Holly Flack
Mr. Jones - Daniel Jenz
Mrs. Jones - Aurora Marthens
Mr. Pilkington - Clemens Unterreiner

Chor-Soli
1. Mann von Pilkington/1. Sanitäter - Gheorghe Cibotaru
2. Mann von Pilkington/2. Sanitäter - Peter Entwisle
1. Mann von Jones - Siegmar Aigner
2. Mann von Jones - Ivaylo Guberov


„Revolutions-Reprise

(Dominik Troger)

An der Staatsoper machen Tiere wieder Revolution. Alexander Raskatovs Oper „Animal Farm“, basierend auf dem gleichnamigen Roman von George Orwell, ist für vier Vorstellungen ins Repertoire zurückgekehrt. Besucht wurde die zweite Aufführung der laufenden Serie.

„Animal Farm“ wurde 2023 in Amsterdam uraufgeführt. 2024 folgte die Premiere an der Wiener Staatsoper. Die aktuelle Wiederaufnahme beweist: Werk und Produktion funktionieren auch abseits von mediengesteuertem Premieren-„Hype“. Die Geschichte, die sich George Orwell in den 1940er-Jahren aufgrund seiner eigenen Erfahrungen mit dem Stalinismus ausgedacht hat, ist einfach zu gut.

Die Oper von Alexander Raskatov ist nur eine von vielen Bearbeitungen, die der Roman im Laufe der Jahre erfahren hat. Raskatov, im Todesjahr Stalins in Moskau geboren, hat Orwells Text noch um Zitate, etwa von Stalin selbst, erweitert. „Animal Farm“ steht im Kontext einer russischen, satirischen Operntradition, wobei in diesem Fall die Satire böse, brutale Züge annimmt. Und wenn im Finale der „Tier-Revolution“ die Schweine menschliche Eigenschaften annehmen, dann wird in der „Vermenschlichung“ der Tiere auch die „Vertierung“ des
Menschen entlarvt und dessen hohlphrasiges revolutionäres Pathos.

Der Komponist hat bei seiner Vertonung den Tieren von Orwells Bauernhof eine ausgefeilte musikalische Charakteristik verpasst, die sich von Tierlauten ableitet und zugleich von einem hohen Wiedererkennungswert geprägt ist: Pferd Mollies Wiehern in höchsten Soprantönen, das intellektuelle „Krächzen“ des Raben Blacky, der in die Höhe getriebene, agitative Tenor von Schwein Squealer usf. Dazu gesellt sich die stark rhythmische Akzentsetzung des aufwendig instrumentierten, mit üppigem Schlagwerk angereicherten Orchesters, das sich bruchstückartig aus der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts speist – mit Dmitri Schostakowitsch als musikalischem „Mentor“.

Was der Oper einerseits zum Vorteil gereicht und für ausreichend Abwechslung sorgt, um die Aufmerksamkeit des Publikums für nicht einmal zweieinhalb Stunden (inklusive einer Pause) wach zu halten, gereicht ihr andererseits zum Nachteil. Der künstlerische Aufwand, der betrieben wird, ist enorm, und die Anforderungen an die Sängerinnen und Sänger sind zum Teil sehr hoch, wodurch die „Repertoirefähigkeit“ von „Animal Farm“ stark limitiert wird. (Einige der an diesem Abend mitwirkenden Protagonisten haben sogar die Uraufführung bestritten – und die Staatsoper hat für diese Aufführungsserie die Premierenbesetzung aufgeboten.) Ob man dem Werk also noch oft im Haus am Ring begegnen wird? Am 18. und am 23. Juni gibt es noch Gelegenheit dazu, nächste Saison sind keine Vorstellungen angesetzt.

Die Inszenierung von Damiano Michieletto ist brauchbar konventionell, siedelt das Geschehen aber zur „Affektverstärkung“ in einem Schlachthof an. Manches ist überdreht, wie die Zeichnung der Farmersleute; Scheinwerfer im Hintergrund, die immer wieder das Publikum blenden, sind zudem ein ziemlich verbrauchtes Mittel, um „Aufmerksamkeit“ zu erzeugen. Die wichtigen Figuren sind aber gut herausgearbeitet und das kollektiv geführte Geflügel sorgt für ausreichend revolutionäre Massenchoreographie.

Wie schon in der Premierenserie waren Ensemble und Chor tragende Säulen der Aufführung, wobei einige starke, charakteristische Einzelleistungen herausstachen wie Holly Flack als Mollie, Andrei Popov als Squealer, Elena Vassilieva als demagogischer Blacky, Michael Gniffke als Snowball, Gennady Bezzubenkov als Old Major und natürlich Wolfgang Bankl als diktatorisch-geerdeter Napoleon. Alexander Soddy hat sich mit Akribie des Orchesters angenommen.

Der Gesamteindruck von „Animal Farm“ ist zwar etwas spröde, aber das Publikum zeigte kaum Tendenz zur Abwanderung – und ich hatte nicht wie zuletzt bei György Kurtágs „Fin de partie“ den Eindruck einer sich umfassend breitmachenden Langeweile. Die Sitzplätze waren sehr gut ausgelastet, der Galeriestehplatz war sehr schlecht besucht. Der Schlussapplaus lag bei fünf Minuten, auch mit Bravorufen für Sänger und Sängerinnen, Dirigent und Orchester – und den sich verbeugenden Komponisten.