ADRIANA LECOUVREUR
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Staatsoper
14.9.2026

Dirigent: Marco Armiliato

Maurizio, Conte di Sassonia - Luciano Ganci
Michonnet - Roberto Frontali
Adriana Lecouvreur - Ermonela Jaho
La Principessa di Bouillon - Elina Garanca
Il Principe di Bouillon -
Simonas Strazdas
Abate - Andrea Giovannini
Quinault- Ivo Stanchev
Poisson - Carlos Osuna
Jouvenot - Ileana Tonca
Dangeville - Jana Markovic

Haushofmeister - Carl Tertio Druml

sowie Ballettänzerinnen und -tänzer im III. Akt

Veilchen des Todes“
(Dominik Troger)

Vor dem tödlichem Duft dieser vergifteten Veilchen muss sich niemand im Publikum fürchten: Francesco Cilèas „Adriana Lecouvreur” bietet großes „Opernkino“ ohne gesundheitliche Nebenwirkungen.

„Adriana Lecouvreur“ hat erst 2014 im Rahmen einer internationalen Koproduktion mehrerer Opernhäuser ihren Platz im Staatsopernspielplan gefunden. Die etwas unausgegorene Handlung und der „Verismo-Ekklektizismus“ des Komponisten setzen die Oper nicht unter die ersten ihrer Epoche, aber sie kann trotzdem Zugkraft entwickeln, wenn starke Bühnenpersönlichkeiten sich ihrer annehmen. Steht dann noch ein im italienischen Fach so versierter Dirigent wie Marco Armiliato am Pult, dann paaren sich Krimi und Kitsch zu einer phasenweise  betörenden Mischung, dann nehmen Adriana und die eiskalte Fürstin von Bouillon das Publikum in die emotionale Zange.

Wie bereits in der Aufführungsserie von 2021 garantierten Ermonela Jaho und Elīna Garanča ein packendes Duell um die Liebe des Grafen von Sachsen: Jahos Adriana Lecouvreur versteht sich beeindruckend auf das liebesnervöse Pathos der Titelpartie; Garančas La principessa di Bouillon lodert in der eiskalt-funkelnden Eifersucht ihres metallisch unterlegten, goldrot gefärbten Mezzos.

Stimmlich musste Jaho zwar den langen Karrierejahren doch etwas Tribut zollen und das Vibrato ihres Soprans hätte phasenweise auch als störend empfunden werden können. Jahos ganz große Stärke ist ohnehin dieses Aufgehen im Seelenschmerz der von ihr verkörperten Bühnenfiguren – und so wie sie im vierten Akt die „armen Blümchen“ besang, bettete sie unter dem tödlich drohenden Veilchenflor seelenrührend auch gleich ihre Liebe auf ein mit leisen Soprantränen benetztes Grab.

Elīna Garančas Mezzo erwies sich im Vergleich kompakter, kräftiger, kontrollierter, bis zur energetischen Attacke durchgestaltet und überzeugend. Im Spiel entpuppte sich Ihre Fürstin wieder als intellektuell-kühle Rächerin, die mit Spürsinn und Zynismus die Schwäche ihres Opfers zu einem tödlichen Anschlag ausnützt.

Der Herr zwischen den beiden Damen war mit Luciano Ganci mehr zweckmäßig besetzt: ein phasenweise leicht forciert klingender, aber kräftig loslegender, mehr schlanker als breiter, nicht immer ganz exakt geführter Spinto-Tenor, das Timbre etwas einförmig, mit hellem Metallglanz versehen. In Partien wie dieser erzielt der Sänger damit aber einen guten Effekt. Darstellerisch drängte er sich nicht in den Vordergrund

Roberto Frontali hat in seine Zeichnung des Michonnet eine gefühlte Äone an Bühnenerfahrung eingebracht, auf einem nach wie vor ausreichend intakten Bariton gestützt. Vom übrigen Bühnenpersonal hat Simonas Strazdas dem Fürsten einen kräftigen, jugendlichen Bass und Bühnenpräsenz verliehen, während Andrea Giovannini für den intriganten Abbé einen schmalen Charaktertenor bereitstellte

Sehr schön spielte das Orchester unter Marco Armiliato, ganz an diese Musik glaubend, an ihre etwas plakative Leidenschaften ebenso wie an ihre schwer melancholische Empfindsamkeit,  abgeschmeckt mit  „historisierender“ Eleganz, die eine vordergründige Grellheit des Sujets sinnlich  abmildert. Dank der Inszenierung von David McVicar – alles im historischen Kostüm der Handlungszeit von 1730 – konnte die Aufführung auch szenisch ungetrübt genossen werden.

Das Publikum – dieses Mal mit mehr Stammbesuchern im Haus – bedankte diese letzte Vorstellung der Aufführungsserie mit deutlich stärkerem und längerem Applaus (rund zehn Minuten) als die von mir besuchten Aufführungen von „Don Carlo“ und „Figaro“.

Die Ausgestaltung des Eisernes Vorhangs für diese Saison hat der Maler Herbert Brandl übernommen. Das tiefe Blau des Hintergrunds mit weißen Pinselstrichen versehen, die an aufgerollte Spiralgalaxien erinnern, holt etwas vom Ewigkeitsanspruch barocker Kirchenfresken in die Staatsoper: bezogen auf den im letzten Jahr verstorbenen Künstler ein gelungenes „Memento mori“.