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ADRIANA LECOUVREUR
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Staatsoper Dirigent: Marco Armiliato |
Maurizio,
Conte di Sassonia - Luciano Ganci |
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„Veilchen des Todes“ Vor dem tödlichem Duft dieser vergifteten Veilchen muss sich niemand im Publikum fürchten: Francesco Cilèas „Adriana Lecouvreur” bietet großes „Opernkino“ ohne gesundheitliche Nebenwirkungen. „Adriana
Lecouvreur“ hat erst 2014 im Rahmen einer internationalen Koproduktion
mehrerer Opernhäuser ihren Platz im Staatsopernspielplan gefunden. Die
etwas unausgegorene Handlung und der „Verismo-Ekklektizismus“ des
Komponisten setzen die Oper nicht unter die ersten ihrer Epoche, aber
sie kann trotzdem Zugkraft entwickeln, wenn starke
Bühnenpersönlichkeiten sich ihrer annehmen. Steht dann noch ein im
italienischen Fach so versierter Dirigent wie Marco Armiliato
am Pult, dann paaren sich Krimi und Kitsch zu einer phasenweise
betörenden Mischung, dann nehmen Adriana und die eiskalte Fürstin von
Bouillon das Publikum in die emotionale Zange. Wie bereits in der Aufführungsserie von 2021 garantierten Ermonela Jaho und Elīna Garanča
ein packendes Duell um die Liebe des Grafen von Sachsen: Jahos Adriana
Lecouvreur versteht sich beeindruckend auf das liebesnervöse Pathos der
Titelpartie; Garančas La principessa di Bouillon lodert in der
eiskalt-funkelnden Eifersucht ihres metallisch unterlegten, goldrot
gefärbten Mezzos. Stimmlich musste Jaho zwar den langen Karrierejahren doch etwas Tribut zollen und das Vibrato ihres Soprans hätte phasenweise auch als störend empfunden werden können. Jahos ganz große Stärke ist ohnehin dieses Aufgehen im Seelenschmerz der von ihr verkörperten Bühnenfiguren – und so wie sie im vierten Akt die „armen Blümchen“ besang, bettete sie unter dem tödlich drohenden Veilchenflor seelenrührend auch gleich ihre Liebe auf ein mit leisen Soprantränen benetztes Grab. Elīna Garančas Mezzo erwies sich im Vergleich kompakter, kräftiger, kontrollierter, bis zur energetischen Attacke durchgestaltet und überzeugend. Im Spiel entpuppte sich Ihre Fürstin wieder als intellektuell-kühle Rächerin, die mit Spürsinn und Zynismus die Schwäche ihres Opfers zu einem tödlichen Anschlag ausnützt. Der Herr zwischen den beiden Damen war mit Luciano Ganci mehr zweckmäßig besetzt: ein phasenweise leicht forciert klingender, aber kräftig loslegender, mehr schlanker als breiter, nicht immer ganz exakt geführter Spinto-Tenor, das Timbre etwas einförmig, mit hellem Metallglanz versehen. In Partien wie dieser erzielt der Sänger damit aber einen guten Effekt. Darstellerisch drängte er sich nicht in den Vordergrund Roberto Frontali hat in seine Zeichnung des Michonnet eine gefühlte Äone an Bühnenerfahrung eingebracht, auf einem nach wie vor ausreichend intakten Bariton gestützt. Vom übrigen Bühnenpersonal hat Simonas Strazdas dem Fürsten einen kräftigen, jugendlichen Bass und Bühnenpräsenz verliehen, während Andrea Giovannini für den intriganten Abbé einen schmalen Charaktertenor bereitstellte Sehr schön spielte das Orchester unter Marco Armiliato, ganz an diese Musik glaubend, an ihre etwas plakative Leidenschaften ebenso wie an ihre schwer melancholische Empfindsamkeit, abgeschmeckt mit „historisierender“ Eleganz, die eine vordergründige Grellheit des Sujets sinnlich abmildert. Dank der Inszenierung von David McVicar – alles im historischen Kostüm der Handlungszeit von 1730 – konnte die Aufführung auch szenisch ungetrübt genossen werden. Das
Publikum – dieses Mal mit mehr Stammbesuchern im Haus – bedankte diese
letzte Vorstellung der Aufführungsserie mit deutlich stärkerem und
längerem Applaus (rund zehn Minuten) als die von mir besuchten
Aufführungen von „Don Carlo“ und „Figaro“. Die Ausgestaltung des Eisernes Vorhangs für diese Saison hat der Maler Herbert Brandl übernommen. Das tiefe Blau des Hintergrunds mit weißen Pinselstrichen versehen, die an aufgerollte Spiralgalaxien erinnern, holt etwas vom Ewigkeitsanspruch barocker Kirchenfresken in die Staatsoper: bezogen auf den im letzten Jahr verstorbenen Künstler ein gelungenes „Memento mori“. |