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MICHAEL SPYRES
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Solistenkonzert |
Solist - Michael Spyres |
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Die Staatsoper lud am Dienstagabend zum Solistenkonzert von Michael Spyres. Spyres präsentierte ein anspruchsvolles Programm mit Liedern von Ludwig van Beethoven, Richard Wagner, Gustav Mahler, Richard Strauss und Erich Wolfgang Korngold. Den Beginn machte die unsterbliche „Adelaide“ als Ausgangspunkt einer „Sehnsuchtsreise“ durch bekanntes Liedgut des 19. Jahrhunderts bis zu ihrem späten Nachglühen bei Erich Wolfgang Korngold: Ludwig van Beethovens „An die ferne Geliebte“, die Wesendock-Lieder, die „Lieder eines fahrenden Gesellen“, „Vier Lieder“ (op. 27) von Richard Strauss und „Unvergänglichkeit“ von Erich Wolfgang Korngold markierten unterschiedliche „Seinszustände“ dieser Reise, über die, zwischen Liebessehnsucht und Leidvergessen oszillierend, Spyres den tenoralen Bogen schlug. Dieses
Programm war mutig gewählt, weil es den Sänger von vornherein vielen
Vergleichsmöglichkeiten aussetzte, aber diese Zusammenschau bot
Zugleich die Chance, das Einzelne in eine dramaturgische Form zu
gießen, um im vermeintlichen „Nebeneinander“ das „Gemeinsame“
herauszustellen. (Ein Interview mit Michael Spyres, das im Programmheft
nachgelesen werden kann, erläutert das dem Liederabend zugrunde
liegende programmatische Konzept.) Spyres fein gekörnter, mit deutlichem baritonalem Bronzeton umflossener Tenor bot dieser Sehnsuchtsreise ein gutbegründetes Fundament, abgeschmeckt mit belkantesker Stimmführung und sehr guter Aussprache bis hin zu dosiert eingesetzten, die Poesie beflügelnden Piani. Sein Vortrag war zudem einer klugen, zweckdienlichen Phrasierung unterworfen, um die Lieder sinnfällig auszudeuten. Hatte sich der Sänger doch ganz in den Dienst der von ihm vorgetragenen Kleinode gestellt, um sie in ihren Gefühlen aufblühen zu lassen, in ihren kleinen und großen Sehnsüchten und Verzweiflungen. Dass sich manches dabei besser für den Charakter seiner Stimme zu eignen schien, anderes weniger, war in Kauf zu nehmen. Die in der Form noch recht klassische „Adelaide“ gleich an den Beginn zu setzen war etwa eine solche Konzession an die selbst gestellten Richtlinien. Die „Ferne Geliebte“ erwies sich danach als gute Überleitung zu den Wesendonckliedern, dem Höhepunkt vor der Pause. Singt diese ein Tenor, erhalten sie doch gleich eine andere emotionale Grundstimmung – und bei Spyres mischte sich eine fein abgeschmeckte Dosis Tristan hinein, die der schwärmerischen Poesie einen exstentielleren Anstrich verlieh, als ihr womöglich zukommt. Und im „Treibhaus“ dampfte das wie mit feinen Sprühnebeln verteilte tenorale „Parfum“ des Sängers, dessen Virilität sich die Dichterin im schwülen Wirbel exotischer Gefühle und Pflanzen kaum hätte entziehen können. Nach
der Pause ging es weiter mit Gustav Mahler und Spyres bettete den armen Gesellen unprätentiös, aber sehr stimmungsvoll unter dem Lindenbaum zur
Ruhe. Richard Strauss öffnete mit seinen vier Liedern Varianten
weiterer Sehnsuchtsmomente, so ein Bacchus im Kleinen, ehe dann mit
Erich Wolfgang Korngold das Konzert beschlossen wurde. Wahrscheinlich waren diese fünf Korngold Lieder der eigentliche Höhepunkt des Abends. Spyres bewies bei ihnen noch einmal sein Gefühl für das formsinnige Ausgestalten – und mit dem melancholischen Ausklingen der „Unvergänglichkeit“, beschloss Spyres nicht nur Korngolds kleinen Liedzyklus, sondern das ganze Konzert in dramaturgischer Sinnfälligkeit. (Korngolds Pretiosen sind das erste Mal übrigens im Radio erklungen. Die Uraufführung dieser Lieder nach Texten von Eleonore van der Straaten erfolgte am 27. Oktober 1937 in der „Stunde österreichischer Komponisten der Gegenwart“, Solistin Dési Halban-Kurz.) Künstlerische
Demut ließ Spyres auch bei den Zugaben walten, um den Rahmen
der selbstgestellten Aufgabe nicht zu überspannen. Es gab nur
zwei: Franz Schuberts „An die Musik“ und Erich Wolfgang
Korngolds „Sonett für Wien“– ein Lied, in
dem Wien zum Sehnsuchtsort geworden ist, und in dem Korngold wenige
Jahre vor seinem Tod den Schmerz über seine erzwungene Heimatlosigkeit
in einer musikalischen Miniatur verarbeitet hat. Seinen starken Bezug zu Wien ließ auch Michael Spyres durchblicken, als er am Ende des offiziellen Programms einige dankende Worte an das Publikum richtete. Schließlich hat Spyres in Wien studiert und in dieser Stadt wichtige künstlerische Anregungen erfahren. Begleitet wurde er am Flügel emotional gleichgestimmt von Mathieu Pordoy. PS:
Ein Teil des Publikums vermeinte wieder einmal nach jedem Lied
klatschen zu müssen, anstatt das Ende des jeweiligen Zyklus abzuwarten.
Die beiden Künstler reagierten und schlossen im Laufe des Konzerts die
zusammengehörenden Lieder rascher aneinander an, was den störenden
Zwischenapplaus unterband.
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